: Künstlerische Grenzgänge
Das Theater Orange im Karoviertel plant neben einem Tango-Stück einen Spielfilm im Dogma-Stil
Das Theater Orange ist etwas Besonderes. Als der Regisseur Peter Ohrt 1996 im Rahmen des Projekts Markthof das Theater in der Marktstraße 24 im Karolinenviertel gründete, hatte er die Idee, sich das zugehörige Ensemble selbst auszubilden. So entstand nicht nur ein Theater, sondern auch eine Schauspielschule, die sich an den Konzepten von Bertolt Brecht und Max Reinhardt orientiert.
In dem mittlerweile elfköpfigen Ensemble des Erlebnis- und Performancetheaters wird der Schauspieler nicht als bloßes Material betrachtet, sondern seinen schöpferischen Ideen wird größtmöglicher Raum gegeben, sodass ein Ensemblemitglied auch als Regisseur oder Autor arbeiten kann. Das heißt natürlich nicht, dass Impulse von außen nicht jederzeit willkommen wären, da das Theater bisher noch ohne eigene Bühne ist und die bisherigen Produktionen in Diskotheken, Kneipen, Kirchen und Wohnungen gespielt wurden.
Aktuellste Produktion ist die auf einem bretonischen Gralsmärchen basierende Geschichte Peronnik der Einfältige. Das als Puppenspiel für Kinder und Erwachsene von David Gruler nach einer Idee von Kristin Lumme inszenierte Stück ist am Wochenende wieder zu sehen. In Vorbereitung ist außerdem das dem Thema Tango gewidmete Stück Manchmal werden Träume wahr von Friedemann Wulfes und Jens Richter. Um Liebe und Melancholie geht es in der Geschichte, die von moderner Tangomusik mit deutschen Texten begleitet wird und deren Premiere für kommenden März geplant ist.
Ganz im Zeichen künstlerischer Grenzgänge steht das Filmprojekt mit dem Arbeitstitel Liebe und anderes Theater. Die im Karoviertel angesiedelte Geschichte soll mit Darstellern des Theater Orange-Ensembles unter der Regie von Christian Konzilio als Spielfilm im Dogma-Stil produziert werden.
Wer sich über Unterrichtsprofil und Teilnahmebedingungen der Schauspielschule informieren will, kann dies unter www.theaterorange.de tun. Und wer das Theater als Sponsor fördern möchte, kann sich beim Theater Orange-Cockpit e.V. in der Marktstraße melden.
MATTHIAS SEEBERG
Peronnik der Einfältige: 2.+3. November, 16 Uhr, Theater Orange, Marktstraße 24; Kartentel.: 43 33 79
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen