: Kühle Dusche in China
■ Zentralbank erhöht erneut Zinsen
Peking (dpa) – Zum zweiten Mal in zwei Monaten erhöhte die Zentralbank über das Wochenende die Zinsen. Für Sparguthaben und Regierungsanleihen gibt es durchschnittlich 1,72 Prozent mehr. Für einjährige Sparguthaben werden nun 10,98 Prozent Zinsen gezahlt. Kreditzinsen stiegen um 1,38 Prozent. Mit dieser Kreditpolitik will Chinas Zentralbank gegen die Überhitzung der Konjunktur und die zweistellige Inflationsrate angehen. Der regierende Staatsrat betonte, ein umfassendes Sparprogramm sei aber nicht vorgesehen. Es gehe vielmehr um eine strukturelle wirtschaftliche Anpassung. Mit der Erklärung wurde Befürchtungen entgegengewirkt, die Regierung werde ähnlich wie 1988 zu hart auf die Bremse treten.
Offiziell wurde erstmals eingeräumt, daß die Inflationsrate in diesem Jahr landesweit 15 Prozent und in den Städten mehr als 20 Prozent erreichen werde. Der Wissenschaftler Ma Jiantang vom staatlichen Entwicklungsforschungszentrum versicherte, daß die Regierung „einen sanften Weg gehen wird, um die Wirtschaft abzukühlen“. In der Tageszeitung China Daily schrieb er, daß die Investitionen in nicht-produktiven Bereichen begrenzt, der Immobilienmarkt kontrolliert und die Ausbreitung von Entwicklungszonen eingeschränkt werden müsse.
Um in der „chaotischen finanziellen Situation Abhilfe zu schaffen“, will Vizepremier und Zentralbankchef Zhu Rongji hart durchgreifen. Banken dürfen sich ohne Genehmigung gegenseitig kein Geld mehr leihen oder müssen solche Darlehen zurückrufen. Zinsen dürfen nicht selbsttätig erhöht werden, und Banken müssen Verbindungen zu Unternehmen in ihrem Besitz abbrechen.
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