Kriminalität: Jugendliche wieder braver

Der Senat beschließt - mit kleinen Änderungen - an seinem Konzept gegen Jugendgewalt festzuhalten. Laut einer Studie geht die Kriminalitäts-Rate stetig zurück.

Jugendgewalt? Nicht in Hamburg, wo der Senat mit seinem Konzept erfolgreich ist. Bild: dpa

Das 2007 beschlossene Konzept "Handeln gegen Jugendgewalt" bewertet der Senat als Erfolg. Lediglich an einigen Stellschrauben sei gedreht worden, hieß es auf der Landespressekonferenz am Dienstag, zu der die vier Behörden Soziales, Schule, Justiz und Inneres eingeladen hatten.

Aufgrund des Koalitionsbruchs fehlten die grünen Ex-Senatoren Christa Goetsch und Till Steffen. So stellten Dietrich Wersich und Heino Vahldieck (beide CDU) allein vor, wie das Konzept nach der tödlichen Messerattacke von Elias A. am Jungfernstieg weiterentwickelt wurde. Nach diesem extremen Fall von Jugendgewalt im vergangenen Mai ist kritisiert worden, dass die Tat durch eine bessere Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft, Schule und Jugendhilfe wahrscheinlich hätte verhindert werden können.

So sieht das Handlungskonzept vor allem eine bessere Koordination zwischen den vier zuständigen Behörden und den oben genannten Stellen vor - laut Wersich die "Grundphilosophie des Ansatzes". Die notwendigen Informationen müssten untereinander noch besser kommuniziert werden, zum Beispiel nach einem Schulwechsel. Ein Versäumnis, das bei Elias A. weitreichende Folgen gehabt habe.

Insgesamt beinhaltet das Konzept zehn Säulen, die von der Früherkennung von gewalttätigen Kindern über Gewaltprävention bis hin zur schnellen und effektiven Strafverfolgung reichen. Darüber hinaus gaben die beiden Senatoren bekannt, dass es keine geschlossene Unterbringung in Hamburg mehr geben werde. Vor zwei Jahren war das umstrittene Heim für straffällige Jugendliche in der Feuerbergstraße geschlossen worden. Stattdessen sollen jetzt einzelne Plätze in bundesweiten Einrichtungen reserviert werden, falls intensivpädagogische oder psychiatrische Unterbringung nötig sein sollte.

Grund zur Freude war den beiden CDU-Politikern, dass die Universität Hamburg, die mit der Evaluation beauftragt worden war, dem Konzept einen "insgesamt stimmigen Aufbau" bescheinigte. Die Uni Hamburg war es auch, die eine Dunkelziffer-Studie zur Jugendgewalt vorlegte. Befragungen unter insgesamt 4.000 Schülern aus 7. und 9. Klassen zeigten demnach, dass sowohl die Zahlen der jugendlichen Gewaltopfer als auch die der Täter von 1998 bis 2008 stetig gesunken sind. Laut Julia Seifert, Sprecherin der Sozialbehörde, relativiert dieses Ergebnis die Polizeiliche Kriminalstatistik, die ganz im Gegenteil einen Anstieg der Jugendgewalt festgestellt hatte. "Im Grunde heißt das, dass die von der Polizei aufgedeckten Delikte zunehmen, die Jugendgewalt insgesamt aber abnimmt", sagt Seifert.

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion findet das Handlungskonzept hingegen wenig überzeugend. "Kurz vor der Wahl präsentiert der Senat viel Klein-Klein und Selbstlob", sagt SPD-Innenexperte Andreas Dressel. "Nach der Serie tragischer Gewalttaten in diesem Jahr wäre etwas Selbstkritik von Seiten des Senats angemessen gewesen." Die SPD-Fraktion fordert in einem schriftlichen Antrag schnellere Reaktionen bei straffällig gewordenen Jugendlichen, eine nordweite Jugendhilfe und schärfere Waffen- und Alkoholgesetze.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de