Krebsforscher ausgezeichnet: Nobelpreis für deutschen Mediziner

Harald zur Hausen erforscht, dass ein Virus Gebärmutterhalskrebs auslösen kann - und bekommt den Nobelpreis.

Tränen der Rührung: Harald zur Hausen in seinem Büro, umringt von Journalisten. Bild: dpa

STOCKHOLM taz Bei den Pharmakonzernen Merck und GlaxoSmithKline dürften am Montag Sektkorken geknallt haben. Grund: der an diesem Tag in Stockholm bekannt gegebene Medizinnobelpreis. Er wird die Geschäfte mit den Impfstoffen der beiden Firmen zur vorbeugenden Immunisierung gegen Gebärmutterhalskrebs anheizen. Drei VirusforscherInnen erhalten den diesjährigen Medizinnobelpreis. Und mit ihnen wird die Forschung geehrt, welche die Entwicklung der Impfstoffe erst möglich machte.

Denn einer der Preisträger ist der deutsche Professor emeritus Harald zur Hausen. Er war zwei Jahrzehnte lang Leiter und wissenschaftlicher Direktor des Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Seit den Siebzigerjahren hatte zur Hausen als Auslöser für Gebärmutterhalskrebs die Rolle der "Humanen Papillomviren" (HPV) untersucht - "gegen ein damals verbreitetes Dogma", so das Stockholmer Preiskomitee.

Papillomviren - das ist eine Gruppe von Viren, die das Deckgewebe der Haut und der Schleimhäute befallen. Sie können ein unkontrolliertes tumorartiges Wachstum verursachen. Das ist meist gutartig, wenn auch unschön: Es kann zu einer Warzenbildung kommen. Einige HPV-Typen können allerdings auch bösartige Veränderungen hervorrufen. Und Harald zur Hausen konnte dies mit den von ihm isolierten Typen HPV16 und HPV18 dann auch für den Gebärmutterhalskrebs nachweisen.

Das Gebärmutterhals- oder Zervixkarzinom ist der zweithäufigste bösartige Tumor beim weiblichen Teil der Bevölkerung. Jährlich erkranken daran mehr als 500.000 Frauen, für mehr als die Hälfte von ihnen endet die Erkrankung tödlich. Die Arbeit zur Hausens machte nicht nur die Beschreibung des Infektions- und Krankheitsverlaufs dieser Krebsart, sondern auch die Entwicklung von Impfstoffen gegen eine Ansteckung möglich. Die Impfung ist noch umstritten. Aber sie wird beispielsweise von der Deutschen Krebshilfe allen Mädchen vor dem ersten Sex empfohlen. Für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren wird sie von Krankenkassen bezahlt.

Den mit rund 1 Million Euro dotierten Preis teilt Harald zur Hausen mit der Direktorin des Pariser Pasteur-Instituts Françoise Barré-Sinoussi und deren Kollegen Luc Montagnier. Diese werden für die Entdeckung des Aids-Erregers HIV geehrt, das sie Anfang der 80er-Jahre isolierten.

Mit der Entwicklung des inzwischen verfügbaren HPV-Impfstoffs hatte zur Hausen im Übrigen nichts zu tun. Die damals von ihm befragten Pharmaunternehmen sahen in den Achtzigerjahren keine Chancen für das Produkt, sagte der Virologe am Montag - "Das war schon bedauerlich."

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