Kosovos Weg: Ein Staat entsteht

Über das Kosovo ist in Europa nur wenig bekannt. Was Sie über das Gestern und Heute des kommenden Staates unbedingt wissen sollten.

Blick auf Kosovos Hauptstadt Prishtina. Bild: dpa

Prishtina taz Zunächst war die Geschichte des Kosovo, des "Amselfelds", friedlich: Seit dem Mittelalter lebten Serben und Albaner einträchtig zusammen. Für die ab dem 7. Jahrhundert eingewanderten Serben galt die Region bald als die Wiege ihrer Nation, die Albaner dagegen sehen sich heute als die Urbevölkerung. Die Niederlage gegen die Türken 1389 auf dem Amselfeld ist für die Serben bis heute ein nationales Trauma.

Im Jahr 1912 eroberte die serbische Armee das Kosovo und annektierte es. Seither fühlen sich die Albaner als Menschen zweiter Klasse. In den Zwanzigerjahren ließ der serbische Staat Albaner in die Türkei deportieren, während des Zweiten Weltkriegs, unter italienisch-deutscher Besatzung, revanchierten sich die Albaner mit der Vertreibung von Serben. Angesichts der höheren Natalität der Albaner veränderte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung seit den Dreißigerjahren (60 zu 40 Prozent) zugunsten der Albaner.

Im sozialistischen Jugoslawien wurde das Kosovo zu einer autonomen Provinz in Serbien erklärt. Staatspräsident Tito wollte Kosovo und die Provinz Vojvodina sogar zu gleichberechtigten Republiken erheben, scheiterte jedoch an dem Widerstand der Serben. In der Verfassung von 1974 erhielten das Kosovo und die Region Vojvodina als Kompromiss einen den anderen sechs Republiken vergleichbaren Status. So waren die Vertreter der beiden autonomen Provinzen stimmberechtigt im Staatspräsidium vertreten. Allerdings wurde den Regionen das Recht auf Sezession abgesprochen. Mit der Verfassungsrevision 1990 in Serbien wurde der autonome Status des Kosovo zurückgeschraubt, das Parlament und die Regierung des Kosovo aufgelöst. Die Stimmen des Kosovo und der Vojvodina im jugoslawischen Staatspräsidium erhielt Serbien.

Heute ist die Bevölkerung des Kosovo jung und - Statistiken fehlen - wohl im Schnitt um die 20 Jahre alt. Im Kosovo leben etwa 2 Millionen Menschen, davon sind mehr als 100.000 Serben (vor 1999: über 200.000) und einigen zehntausend Mitglieder anderer Minderheiten. So gibt es die slawischen Muslime der Gorani und der Bosniaken sowie Roma, Ashkali, "Ägypter" und Türken. Türkisch ist bis heute offizielle Stadtsprache in der zweitgrößten Stadt Prizren.

Die letzten Wahlen zum Parlament des Kosovo fanden am 17. November 2007 statt. Die Demokratische Partei (PDK) unter dem Spitzenkandidaten Hashim Thaçi wurde mit 34 Prozent stärkste Kraft. Die Demokratische Liga (LDK) des Präsidenten Fatmir Sejdiu kam mit 22,6 Prozent auf den zweiten Platz (2003 noch 45 Prozent). 20 von 120 Sitzen im Parlament sind für ethnische Minderheiten reserviert - 10 für Serben, 4 für Ashkali beziehungsweise Kosovo-Ägypter und Roma, 3 für Bosniaken, 2 für Türken und 1 für Gorani. Die meisten Serben boykottierten die Wahl. Dennoch wurden zwei Serben zu Ministern der Regierung berufen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de