Koranischer Künstler-Film: Keine Sonne in Paris

"Bam gua Nat" ("Tag und Nacht") von Hong Sangsoo erzählt von einem Maler, der in Paris landet, und nichts mit sich und der fremden Stadt anzufangen weiß.

Fremd in der Fremde: "Bam gua Nat".

"Nacht und Tag", der koreanische Wettbewerbsbeitrag des Regisseurs Hong Sangsoo ist ein merkwürdiger Film, der zurückhaltend und unspektakulär von Liebe, Lügen, Fluchten, dem Fremdsein in einer anderen Kultur und dem schließlichen Zurückkommen erzählt. Sung-nam, ein erfolgreicher Maler, verheiratet und um die 40, ist auf der Flucht. In Korea, wo die Betäubungsmittelgesetze äußerst streng sind, droht ihm eine Gefängnisstrafe, denn er war beim Marihuanarauchen erwischt worden. Nicht dass er ein Kiffer wäre - betrunken hatte er sich nur zum Drogenkonsum verleiten lassen.

Sung-nam (großartig gespielt von Kim Youngho) quartiert sich in einer etwas heruntergekommenen Pension im 14. Arrondissement ein, die einem Koreaner gehört. Einen Sommer lang wird er in Paris bleiben. Kein einziges Mal scheint die Sonne. Die Tage verbringt er damit, ziellos durch die Straßen zu wandern. Oft langweilt er sich oder fühlt sich einsam. Er lernt koreanische Kunststudentinnen kennen, trifft zufällig eine Exfreundin, die mit einem Franzosen verheiratet ist, die ihm erzählt, damals sechs Mal wegen ihm abgetrieben zu haben, und sich später das Leben nimmt. Er verliebt sich vielleicht nur aus Sehnsucht nach Nähe. Handelt zweideutig. Betrügt und lügt aus Unsicherheit und Feigheit, telefoniert tagtäglich mit seiner Frau. Der Film ist so tagebuchmäßig aus seiner Perspektive erzählt.

Am Anfang sieht man den kräftigen, virilen Maler etwas hilflos vor den Glastüren des Pariser Flughafens rauchen. Ein etwas heruntergekommen wirkender Mann, das angedeutete Klischee eines Drogensüchtigen tritt auf ihn zu, bittet um Feuer für eine halbe Kippe, kommt ihm für einen kleinen Moment näher, als es die Gesetze der Höflichkeit gebieten. und entfernt sich dann wieder.

In der präzisen Beschreibung dieser und ähnlicher Distanzverletzungen, in der realistischen, ganz und gar nicht romantischen Schilderung libidinöser Verwicklungen, körperlicher Liebe, ist "Nacht und Tag" großartig: In meiner Lieblingsszene raucht Sung-nam draußen vor der Pension. Der Vermieter gesellt sich zu ihm. Der Maler fragt, ob es den anderen stören würde, mit ihm Hände zu schütteln. Der andere willigt ein. Sie rauchen weiter. Am Ende der Zigarette fragt er ihn dasselbe noch mal, was auf Englisch schöner klingt als auf Deutsch: "Would you like to shake hands again?" Das Händeschütteln des Malers ist kunstlos; sein Vermieter fügt kleinere Shakehandskoloraturen hinzu. Beide lachen. Andere Szenen handeln vom Armdrücken, das der kräftige Maler stets für sich entscheidet. Am Ende kehrt Sung-nam zurück nach Seoul, in eine geordnete Bürgerlichkeit, die etwas Deprimierendes hat. "Menschen sagen mir, dass ich Filme über die Wirklichkeit mache. Sie liegen falsch. Ich mache Filme aus Strukturen, die ich mir ausdenke", so der Regisseur Hong Sangsoo.

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