: Kontrolle für 007
■ SPD fordert Beauftragten für Geheimdienste. Kritik an Schmidbauer
Bonn (dpa/taz) – Die SPD möchte den Bonner Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer loswerden und die Kontrolle der Nachrichtendienste durch einen „Geheimdienstbeauftragten“ gewährleistet sehen. Die jetzigen Instrumente der Parlamentarischen Kontrollkommission (PKK) reichten überhaupt nicht aus, sagte gestern der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck. Dies habe zuletzt die Affäre um den Münchner Plutoniumschmuggel gezeigt. Nach den Ermittlungen des Untersuchungsausschusses sei inzwischen völlig klar: „Die haben uns in der PKK angeschissen.“
Der Geheimdienstbeauftragte soll nach den Vorstellungen der SPD von einer Zweidrittelmehrheit gewählt werden und dadurch eine weitgehende parteipolitische Unabhängigkeit erhalten. Er müsse von einer schlagkräftigen Behörde mit weitreichenden Kompetenzen gegenüber Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und militärischem Abschirmdienst unterstützt werden. Ihre Mitarbeiter sollten jederzeit alle Dienststellen ohne vorherige Anmeldung besuchen können.
Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Otto Schily nannte den Vorschlag nach dem Vorbild des Wehrbeauftragten auch ein Angebot zur Zusammenarbeit mit dem neuen BND-Chef Hansjörg Geiger. Struck forderte zudem eine neue Koordination der Geheimdienste im Kanzleramt. Sie dürfe nicht mehr einem „von politischem Ehrgeiz und Selbstdarstellungstrieb“ geleiteten Politiker wie Staatsminister Bernd Schmidbauer (CDU) obliegen, sondern müsse wieder einem beamteten Staatssekretär übertragen werden. Schmidbauer sei für die Aufgabe besonders ungeeignet, weil er „geschwätzig und leichtfertig“ zu Werke gehe. wg
Die Engagierten stärken
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen