Konjunktur: Berlin wächst und wächst und wächst

Die Berliner Wirtschaft legt weiter zu - auch 2011, so die Prognose. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Industrie, Elektromobilität und Callcentern.

Der Senat geht davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr fortsetzt. Er rechne zunächst mit einem Plus von 2,2 Prozent, sagte der zuständige Senator Harald Wolf (Linke) am Montag. Zugleich erwarte er, dass die Prognose im Lauf des Jahres nach oben korrigiert werde. "Wir fangen immer konservativ an und legen dann zu." Die Investitionsbank Berlin sagt gar ein Wachstum von drei Prozent voraus. Die Bundesregierung geht bislang von einem Wachstum von mindestens 1,8 Prozent im nächsten Jahr aus.

Treiber auf Landesebene soll zunehmend die Industrie werden - und damit mittelfristig das traditionell starke Dienstleistungsgewerbe ablösen. "Wir sehen mehr und mehr Industrieunternehmen, die an den Standort Berlin glauben", sagte der Chef der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, René Gurka.

Der Optimismus gründet vor allem auf der Bilanz dieses Jahres: 105 Unternehmen siedelten sich mit Hilfe der Wirtschaftsförderung an oder expandierten, sie schufen damit 4.540 neue Arbeitsplätze. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Die meisten Projekte spielten sich in der Industrie und neuen Technologie ab - zugleich entstehen in solchen Unternehmen meist mehr Jobs als in der Kreativwirtschaft, wo die Firmen oft an wenigen Menschen hängen.

Zu den größten Ansiedlungen zählte die des Pharmakonzerns Pfizer, der gut 200 Mitarbeiter des geschluckten Konkurrenten Wyeth an den Potsdamer Platz holte. Die Spandauer Eishersteller Florida Eis bauten ihr Unternehmen aus. Vodafone teilte kürzlich mit, sein Callcenter von Stahnsdorf nach Berlin zu verlagern.

Letztere Branche wird sich Gurka zufolge noch mehr als bisher in der Stadt ausbreiten. "Wir haben hier das Arbeitskräftepotenzial, das es woanders nicht gibt", sagte er. Der Wirtschaftsförderer meinte damit nicht etwa das geringe Einkommensniveau in Berlin, das zu der Branche passt. Die Mehrsprachigkeit vieler Arbeitssuchender sei es, was Call Center anlocke, erklärte er auf Nachfrage. Seit die taz aufgedeckt hatte, dass das Land auch Unternehmen förderte, die nur etwa sechs Euro Stundenlohn brutto zahlen, verschärfte Senator Wolf die Regeln: Nur noch Call Center, die einen Stundenlohn von mehr als acht Euro zahlen, werden unterstützt. Weiter werde das soziale Engagement der Wirtschaftsförderung aber nicht gehen, stellte Berlin Partner-Chef Gurka klar: "Wir sind nicht Tarifpartner."

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