: Konfuzianismus
Das einzige Zeugnis des Meisters Kung (551 bis 479 v.Chr.) – latinisiert: Konfuzius – beginnt mit einem Eid auf die weltliche Staatsräson: „Der Meister sprach: Einen großen Staat mit tausend Streitwagen zu regieren, erfordert ehrliches Bemühen in allen Staatsgeschäften, Sparsamkeit in den Staatsausgaben, Liebe zu den Menschen und das Volk so zu beschäftigen, daß keine Zeit vergeudet wird.“
Obwohl Konfuzius modern, ja, wie ein Ratgeber für Rot-Grün wirkt, gilt der Philosoph im Westen als Hüter einer untertänigen Ethik, die dem Menschen statt individueller Rechte nur soziale Pflichten aufbürdet. Seine Betonung der Autorität von Vater und Kaiser haben ihn oft als obrigkeitsfreundlich erscheinen lassen. Dennoch: Die „zentrale Bedeutung des Volkswohls“ – des Sozialstaat – und die „Widerrufbarkeit des Himmelsmandats“ – also die Chance des Regierungswechsels – bezeichnet der Konfuziusforscher Zhang Qiyun als wichtigste Doktrin des Meisters. Besonders auf den von ihm betonten Verpflichtungen des Herrschers gegenüber dem Volk beruht die demokratische Interpretation seiner Schriften. Seine Beständigkeit gewinnt der Konfuzanismus durch seine Kritik an allen Utopien und Religionen. „Der Meister sprach: Irrlehren nachzueifern – wahrlich, nur Unheil wächst daraus“: Ein Satz, der im „Schwarzbuch des Kommunismus“ stehen könnte, der aber auch den Bruch mit dem Christentum begründete. Die Studentenbewegung von 1919 forderte „Nieder mit dem Konfuzianismus“. Erst Deng Xiaopings Ausspruch, die Wahrheit in den Tatsachen zu suchen, heute offizielle Maxime der Reformpolitik, führte ausgesprochen die Kunst des alten Meisters wieder ein, die für alle Probleme jenen „Begriff der Mitte, der Mäßigung“ findet, den Ernst Bloch bei Konfuzius entdeckte.
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