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Kommtar Deutsche Bahn Zugriff auf die Zukunft

Kommentar von

Christian Semler

Der Vorstand der Deutschen Bahn teilt mit, dass die Vier-Stunden-Verbindung von Berlin nach München spätestesn 2041 steht. Eine leuchtende Zukunft.

W irtschaftspläne gab es nicht nur im Realsozialismus, auch kapitalistische Großbetriebe prunken mit Daten über Entwicklungspläne und - möglichst vorfristige - Planerfüllung. Allerdings steht hier die längerfristige Planung unter dem Druck der Shareholder, die möglichst bald wissen wollen, wann die geplanten Produkte fertig sind, auf den Markt geworfen werden - und daraufhin die Aktienkurse steigen. Angesichts dieser schlechten Aussichten für wahrhaft langfristige Planung ist das jüngste interne Papier des Vorstands der Deutschen Bahn an seinen Aufsichtsrat ein mutiger Schritt. Denn dem Aufsichtsgremium wird hier mitgeteilt, dass die geplante ICE-Strecke von Erfurt durch den Thüringer Wald nach Nürnberg, also das Kernstück der künftigen Nicht-mal-4-Stunden-Verbindung von Berlin nach München, im Jahre 2041 fertiggestellt sein wird. 2041!

Was für ein Selbstbewusstsein, was für ein entschlossener Zugriff auf die unbekannte Zukunft spricht aus diesem internen Planentscheid. Mögen Politiker wie der thüringische Verkehrsminister auf dem Jahr 2017 als spätestem Datum der Fertigstellung bestehen, mag der Bundesverkehrsminister Tiefensee auf bereitgestellte Mittel aus dem Bundeshaushalt verweisen - all dies ist nur das Gezeter der Kurzatmigen, deren absolutes Zeitmaß die jeweilige Legislaturperiode darstellt.

Der Bahnvorstand hat mit dem Zieljahr 2041 ein Zeichen gesetzt, dessen politische Bedeutung weit über den Personen- und Güterverkehr hinausgeht. Vorbei ist die Hoch-Zeit solcher absurder Theorien wie der, dass politische Entscheidungen nur die Zeitdauer einer Generation gültig sein dürften und gegebenenfalls von ebendieser Generation korrigierbar bleiben müssten. Dieses selbstherrliche Limit (30 Jahre = eine Generation) wird durch den Vorstandsbeschluss der Deutschen Bahn zwar nur um vier Jahre überboten, aber das ist immerhin ein Anfang. Und hat sich erst einmal langfristige Planung eingebürgert, so werden wir auch den Halbwertszeiten bei atomaren Endlagern mit gelassener Zukunftsgewissheit gegenüberstehen.

Natürlich fehlt es jetzt nicht an Kleingeistern, die das Gerücht streuen, bei dem Vorstandsbeschluss "2041" handle es sich nur um ein Erpressungsmanöver an die Adresse der Bundesregierung, das da lautet: "Wenn ihr uns finanziell am steifen Arm verhungern lasst, müsst ihr eben Jahrzehnte auf die Strecke warten." Weit gefehlt. Denn die Deutsche Bahn handelt stets nach dem Motto: Die Zukunft leuchtet und sie ist uns stets gewiss.

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1 Kommentar

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  • AF
    Anton Flügge

    Vielleicht sind die 34 Jahre auch nur die Neue an die demographische Entwicklung angepasste Einheit "Generation". Nach der Heraufsetzung des Renteneintrittsalter müssen wir uns jetzt auch an längere Generationenzeiträume gewöhnen.

     

    Liebe Grüsse,

    Anton Flügge