Kommentar: Provinzpartei ohne Anspruch

Friedbert Pflüger hat die CDU ideologisch geöffnet und neue Bündnisoptionen mit FDP und Grünen durchgesetzt. Ohne ihn versinkt die Partei im Mittelmaß.

Der Kampf in der CDU ist der Kampf um die Ausrichtung der Partei. Pflüger steht dabei für eine moderne, großstädtische CDU. Er hat die Partei ideologisch geöffnet, die Bündnisoption mit FDP und Grünen durchgesetzt und trotzdem auch die kleinbürgerliche Klientel nicht aus den Augen verloren. Aber die Parteistrategie und Machtpolitik ist nicht seine Sache - wenn die Bezirksfürsten der Union Pflüger jetzt demontieren, dann hat der sich das auch selbst zuzuschreiben.

Als Pflüger im Jahr 2006 aus der Bundespolitik in die Landespolitik wechselte, um der hiesigen CDU als Spitzenkandidat auszuhelfen, hat er keinen eigenen Stab an Mitarbeitern mitgebracht. Er hat sich nicht systematisch eine Machtbasis in den mächtigen Westbezirken aufgebaut. Er hat nicht auf breiter Front mögliche Unterstützer gefördert. Pflüger hat geglaubt, die Partei durch seine Eloquenz und seine Inhalte überzeugen zu können. Jetzt muss er feststellen, dass den Bezirksfürsten Inhalte egal sind und dass ihnen Mittelmaß ganz recht ist, solange ihre eigene kleine, über die Jahre aufgebaute Bezirksmacht nicht bedroht ist.

Und weil die Bezirksfürsten der CDU ihre Macht bedroht sehen, ist der Machtkampf in der Partei nun offen ausgebrochen. Es geht um die Entscheidung, wie die Partei sich in absehbarer Zukunft in der Hauptstadt präsentiert. Und ohne Pflüger wird die Partei im Mittelmaß versinken. Denn in Berlin selbst hat die Partei niemanden, der wieder Aufbruch symbolisieren könnte - und nach Pflügers Abschuss dürfte so bald kaum jemand von außen mit Format bereit sein, einen Fuß in die Schlangengrube der Hauptstadt-CDU zu setzen.

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