Kommentar : Erholung auf niedrigem Niveau
Firmenchefs schätzen ihre Lage besser ein und erklären, mehr investieren zu wollen als 2009. Das ist gut - und zeigt zugleich, dass die wirklichen Herausforderungen für die Wirtschaft noch bevorstehen.
Die Berliner und Brandenburger Unternehmen scheinen sich von der Wirtschaftskrise schnell zu erholen. Für dieses Jahr erwarten Kammern und Senat ein positives Wachstum. Firmenchefs schätzen ihre Lage besser ein und erklären, mehr investieren zu wollen als 2009. Das ist gut - und zeigt zugleich, dass die wirklichen Herausforderungen für die Wirtschaft noch bevorstehen.
Die IHK fordert, dass die Region strukturell so aufrüsten müsse, dass sie bei der nächsten Krise stärker betroffen sein kann. Klingt wie ein schlechter Scherz, birgt aber einen wahren Kern: Berlin balgt sich bei der Arbeitslosenquote bundesweit mit Mecklenburg-Vorpommern um die höchste Zahl. In Brandenburg fallen nach wie vor Landstriche brach, weil Menschen abwandern. Dass die IHK zudem von einer "Bewerberlücke" bei Azubis spricht, lässt für den Fachkräftebedarf nichts Gutes ahnen.
Der Senat hat die Weichen gestellt. Stärkere Bindungen zwischen Hochschulen und Wirtschaft sollen den Nachwuchs in der Stadt halten. Der Fokus auf "Green Economy" soll zukunftsträchtige Firmen stärken und anlocken sowie die industrielle Entwicklung in nachhaltige Bahnen lenken. Bleibt zu wünschen, dass die Bemühungen zeitnah Wirkung zeigen - und dass weitere, komplexe Herausforderungen angegangen werden. Zu oft arbeiten Bezirke und Senat gegeneinander, buhlen Berlin und Brandenburg um Ansiedlungen, statt an einem Strang zu ziehen. Diese Probleme sind hausgemacht. Sie sind hoffentlich gelöst, wenn die nächste Krise kommt, die Aufträge nach dem Konjunkturpaket II wegbrechen oder sich der Flughafen BBI als Luftnummer erweist.
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