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Kommentar Autonomie kann man verspielen

Konrad Litschko

Kommentar von

Konrad Litschko

Es gibt Situationen, da verweist der Senat zu Recht auf die "gesamtstädtische Bedeutung". Die Unterbringung von Flüchtlingen ist so ein Fall.

D ie bezirkliche Selbstverwaltung ist ein hohes Gut. Und sie hat gute Gründe: Probleme können so nah an dem Ort gelöst werden, wo sie entstehen. Die BürgerInnen behalten den direkten Draht zur Politik.

Der Aufschrei der Bezirke, wenn der Senat ihnen mal wieder Mittel kürzt oder – unter Verweis auf die „gesamtstädtische Bedeutung“ – Bauplanungen an sich reißt, ist daher berechtigt. Aktuell aber zeigt sich: Man kann Autonomie auch verspielen.

Wenn CDU-Senator Czaja nun Bezirke verpflichtet, gegen ihren Willen Asylbewerber aufzunehmen, greift die „gesamtstädtische Bedeutung“ auch im Sozialen. Zu Recht: Wie manche Bezirksämter sich winden, Flüchtlinge aufzunehmen, ist schäbig. Noch schäbiger: wenn Reinickendorfs CDU-Stadtrat Briefe verschickt, um gegen „Zwangsmaßnahmen“ zu wettern.

Keine Stimmungsmache

Gerade dieser Brief zeigt, welche gefährliche Spirale der Stimmungsmache sich nun in Gang setzen könnte. Es ist höchste Zeit für die Bezirke, nun innezuhalten und ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

Aber auch der Senat muss mehr tun, als nur für Notunterkünfte sorgen. Längst herrschen nicht in allen Bezirken gleiche Unterbringungsstandards. Und die Wohnungsunternehmen des Landes rücken nur zögerlich Räume heraus. Auch das hat: gesamtstädtische Bedeutung.

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Konrad Litschko

Konrad Litschko Reportage und Recherche

Ressort Reportage und Recherche. Zuvor Redakteur für Themen der "Inneren Sicherheit" im taz-Inlandsressort, dort von 2022 bis 2024 stellvertretender Ressortleiter. Davor im Berlin-Ressort. Mitautor der Bücher "Staatsgewalt" (2023), "Fehlender Mindestabstand" (2021), "Extreme Sicherheit" (2019) und „Bürgerland Brandenburg" (2009). Threema ID: 2H9VKXR4
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2 Kommentare

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  • N
    Neumi

    "Und die Wohnungsunternehmen des Landes rücken nur zögerlich Räume heraus" Sie haben ja auch so viel freie Räume!!!Wir brauchen endlich eine Reform der Asylgesetze nach Schweizerisch,Dänisch oder Norwegischem Vorbild!!!Und ein Einwanderungsgesetz angelehnt an das Kanadische System.So geht es jedenfalls nicht weiter!

  • S
    super

    Ich finde ja das Strassennamen eine „gesamtstädtische Bedeutung“ haben.

    Vielleicht kann man den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von der Last der Nameswahl befreien.