Kommentar: Der Glaubenskrieg
■ Wissenschaftler sollten die Folgen der Atomenergie vernünftig diskutieren
Ist Krümmel schuld am Krebs in der Elbmarsch? Die Gelehrten streiten sich: Natürlich, sagen die einen. Natürlich nicht, die anderen. Dem Volk bleibt nur zu staunen. Nicht, weil es Streit gibt zwischen Wissenschaftlern, den vermeintlichen Gralshütern der Objektivität. Daß es auch in der Wissenschaft grundlegende Meinungsverschiedenheiten gibt ist nichts Neues und schon gar nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil.
Diskussionen innerhalb der Wissenschaft helfen, überall dort die Realität ein bißchen besser einzuschätzen, wo es keine sicheren Erkenntnisse mehr gibt. Aber diskutieren heißt miteinander reden, miteinander an einer Fragestellung arbeiten – und nicht, sich gegenseitig anzuschreien. Außenstehende können nur staunen, mit welcher Sicherheit, in einigen Fällen auch mit welcher Arroganz, die Konkurrenten ihre Glaubenssätze verkaufen.
Wo es keine sicheren Erkenntnisse gibt, arbeitet Wissenschaft mit Annahmen. Das ist klar. Aber zum einen, das lernt jedes Erstsemester, dürfen Wissenschaftler diese Thesen nicht als Erkenntnisse verkaufen. Zum zweiten sollte durchaus auch die Bereitschaft bestehen, die eigenen Thesen, die nichts anderes sind als Vorurteile, in Frage zu stellen. In der Atomdiskussion geschieht dies nicht.
Ich hab' recht, und du bist blöd – die Trotzphase kann auch bei Wissenschaftlern Jahrzehnte überdauern. Den Menschen in der Elbmarsch ist damit nicht geholfen. Es geht nicht um Glaubenskriege, um wissenschaftliche Karrieren, um Recht oder Unrecht. Es geht um krebskranke Kinder. Achim Fischer
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen