piwik no script img

KommentarStörfall Kartoffel

■ Eine britische Untersuchung zeigt: Genmanipulation ist nicht beherrschbar

Das Flugzeug hat abgehoben, die Bodenmechaniker testen die Triebwerke. Während die grüne Gen-Technik in die Regale marschiert, untersuchen wenige unabhängige Institute die Sicherheitsaspekte der Manipulation unserer Kulturpflanzen. Jetzt wurden sie bei einem Liebling der Gen-Ingenieure fündig: der Kartoffel. Britische Forscher fanden heraus, daß genmanipulierte Knollen, die zur Verbesserung ihrer Performance das insektenabwehrende Eiweiß Lektin vom Schneeglöckchen und der südamerikanischen Bohne erhielten, Wachstum und Immunsystem von Ratten schädigten.

Das Experiment ist seriös, der Befund immerhin so aufregend, daß Labour-Abgeordnete ein Moratorium verlangen. Wir sind gespannt. Erneut steht die umstrittene gentechnische Form der Pflanzenoptimierung zur Diskussion, die uns Ananas in Alaska und Weizenfelder in Äthiopien verspricht, die Getreide „machen“ will, das seinen Dünger aus der Luft „pflückt“, oder Kräuter, die als Bioreaktoren Arzneimittel herstellen. Die aber alle immer noch nicht sicher sind. Die Grundsatzkritik an der gentechnischen Manipulation gilt nach wie vor: Das Übertragen der fremden Gene ist keine kontrollierte, beherrschte Methode. Da werden Zielorganismen mit Genmaterial beschossen, in der Hoffnung, daß die neue Erbinformation irgendwie integriert wird. Oft genug waren die Pflanzenforscher von den Resultaten selbst überrascht. Turbolachse mit einem Antifrostgen wuchsen plötzlich schneller. Genmanipulierte Kartoffeln veränderten die Form und wurden seltsam oval. Mit den Genen der Paranuß aufgerüstete Sojabohnen provozierten Allergien.

Nach solchen Pannen hörten wir stets das gleiche: Die Entdeckung der Fehlschläge beweise, daß das System prima funktioniert. Nur: Experimente wie jenes der britischen Forscher sind nirgendwo vorgeschrieben. Sie gehören nicht zum System. Sie sind, wie die Forscher so schön sagen, eine additive Komponente.

„Ich würde nicht davon essen, wenn ich die Wahl hätte“, sagte der Leiter des Knollenexperiments, Prof. Puztai, über Gen- Food auf dem Teller. Das entscheidende Wort heißt „Wahl“. Die Kennzeichnung genmanipulierter Nahrungsmittel ist unabdingbar. Die immungeschädigten Nager kommen zur rechten Zeit. Sie sollten der EU Beine machen, bevor der Kartoffelpuffer zum Störfall wird. Manfred Kriener Bericht Seite 7

Mit reinem Gewissen wissen

Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen