Kommentar zu Sarrazin

Die SPD muss sich abgrenzen

Sarrazin bekommt nur so viel Aufmerksamkeit, weil seine Positionen von denen der Partei abweichen. Sie sollte ihn rausschmeißen. Dann müsste ihm niemand mehr zuhören.

Nun hat er es also wieder so richtig krachen lassen, der ehemalige Berliner Finanzsenator und jetzige Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin. Ein ganzes Buch hat der selbsterklärte Aufklärer mit seinen Thesen gefüllt. Der Inhalt - so viel lässt sich den Vorabdrucken entnehmen - eignet sich bestens, um ausländerfeindliche Ressentiments zu schüren.

Thilo Sarrazin wird mit dem Buch nicht nur innerhalb der Bundesbank neuen Unmut erregen. Er fordert damit auch einen Ausschluss aus der SPD geradezu heraus. Man muss sich schon fragen: Warum tut er das?

In einem taz-Interview hat der damalige Senator vehement bestritten, dass er dumpfe Klischees bediene. Das Klischee sei in den Köpfen der Zuhörer, so seine Erklärung. Das ist Sarrazins Taktik: Er wirft Zahlen in den Raum, konstruiert ein negatives Bild etwa von Migranten - und weist jede Verantwortung von sich, wenn das Ergebnis als politische Aussage gewertet wird. Er gefällt sich in der Rolle des unbequemen Tabubrechers - und freut sich diebisch über die Aufmerksamkeit, die er mit seinen Sprüchen bekommt.

Die gründet sich allein auf das Spannungsverhältnis zwischen seinen Positionen und denen seiner Partei. Seine Sprüche könnte man ignorieren, nicht aber die Frage, was die SPD als vertretbar einstuft und was nicht. Anhand der Person Sarrazin müssen sich die Sozialdemokraten verständigen, wo sie am rechten Rand eine Grenze ziehen. Man kann die SPD nur bitten: Schmeißt Sarrazin endlich, endlich raus! Dann soll er plappern, soviel er will. Und keiner muss ihm mehr zuhören.

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Jahrgang 1978. Seit 2007 fest bei der taz, zunächst im Berlin-Teil, dann in der Wochenend-Redaktion. Schwerpunkte: Soziales und Reportage.

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