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Kommentar zu Referendums-Vorschlag Gute Idee mit schlechten Chancen

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Lieber die Menschen vorher einbeziehen als nachher Proteste beklagen? Der Vorschlag ist nicht blöd - aber man darf bezweifeln, dass er jemals realisiert wird.

W ow! Wowereit! Da hat sich der Regierende Bürgermeister ja mal weit aus dem Fenster gelehnt. Vor großen Infrastrukturprojekten, sagt Wowereit, wäre es klug, das Volk zu befragen. Und diese Idee kommt ausgerechnet von dem Politiker, der stets an vorderster Front der Volksbegehren-nicht-so-toll-Finder zu finden war.

Dennoch ist der Vorschlag nachvollziehbar. Eine Regierung will Planungssicherheit. Wenn der Bürger schon mitreden muss, dann gleich zu Beginn. Um die Details kann sich dann wieder die Politik kümmern. Das klingt gar nicht so dumm. Auch wenn es stets nur um die eine Grundsatzfrage ginge: Wollen wir das? Flughafenausbau? Autobahnverlängerung? Stadtschloss? Ja oder nein?

Die Probleme liegen auf der Hand: Meist sind Brandenburg oder der Bund mitbetroffen. Wer also soll abstimmen dürfen? Und die Bürger sind so früh kaum informiert. Wie sollen sie alle Folgen überblicken? Zudem darf so ein Referendum kein Blankoscheck für die Regierenden sein. Gerade bei Gigaprojekten wie dem Flughafen würde der Bürger gern ein letztes Wörtchen mitreden. Wowereits Vorschlag könnte daher nur mit großem Aufwand umgesetzt werden. Das heißt nicht, dass er blöd ist. Aber man darf bezweifeln, dass er jemals realisiert wird.

Immerhin: Der Wählerwille, der sich aktuell in exorbitanten Umfragewerten für die Grünen ausdrückt, setzt Klaus Wowereit in Bewegung. Das zeigt, dass sogar ganz einfache Wahlen etwas verändern können. Manchmal sogar im Vorhinein. Wow, Wahlen!

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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2 Kommentare

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  • D
    denninger

    Jetzt werd' mal nicht zynisch, "Leser", natürlich dürfen nur die "richtigen" - pardon - "wichtigen" Themen in die Abstimmung. Ansonsten müsste ja das Stimmvieh - pardon - Wahlvolk frei nach dem roten Dany so lange die Abstimmung wiederholen bis das Ergebnis "passt".

  • L
    Leser

    Die Herren sollten lieber mal ne Abstimmung zum Thema Minarettverbot starten. Dann kann man doch ganz demokratisch zeigen das die hier nicht verboten müssen, im Gegensatz zur Schweiz!

     

    Auch wäre ich dafür das es Volksabstimmungen zum Thema Hartz 4 gibt, die Steuerzahler bezahlen das immerhin!

     

    Sich immer nur die Schmankerl (S21, Atomkraft) raussuchen ist einfach nur beschämend.