Kommentar hannoversche Manövern

Die größte Verliererin

Elke Twesten soll mit einem „unmoralischen Angebot der CDU“ geprahlt haben. Falls ihr etwas versprochen wurde, wird sie es nun nie bekommen.

Elke Twesten neben Stephan Weil in weißen Schutzanzügen

Da waren sie noch ein Team: Elke Twesten neben Ministerpräsident Stephan Weil Foto: dpa

Als der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Freitag vor die Presse trat und davon sprach, dass er „einer Intrige nicht weichen“ werde, wirkte das, als wäre er einfach wütend, nicht nur auf die abtrünnige Elke Twesten, sondern auch auf seine Konkurrenten aus der CDU, die die Ex-Grüne aufgenommen und damit seine Regierung haben platzen lassen. Dafür, dass tatsächlich eine Intrige vorlag, gab es keine Belege – bis der Grüne Abgeordnete Helge Limburg (MdL) mit einer Erinnerung an die Presse ging.

Schon im Juni soll Twesten zu ihm gesagt haben, dass die CDU ihr ein „unmoralisches Angebot“ gemacht habe. Ganz davon abgesehen, dass es recht unbedacht war, damit hausieren zu gehen, zeigt der Satz, dass es eben doch möglich ist, was nicht möglich schien: dass die CDU nämlich aktiv versucht hat, Elke Twesten abzuwerben – mit einem Angebot, das sie nicht ablehnen konnte.

CDU-Fraktionschef Björn Thümler und Spitzenkandidat Bernd Althusmann weisen das bisher weit von sich. „Es hat zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Form Angebote an Frau Twesten gegeben“, betont Thümler.

Aber warum macht Elke Twesten in Interviews immer noch ein Geheimnis um die Frage, wer auf wen zugegangen ist? Wenn sie selbst die Aktive gewesen ist, wäre es kein Problem, das auch zu sagen. War es allerdings entgegen aller Beteuerungen die CDU, die an die Grüne herangetreten ist, und hat diese ihrem jetzigen Neumitglied auch tatsächlich etwas für den Wechsel versprochen, wäre das nicht nur ein politischer Skandal – auch die CDU setzt ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel, kurz vor einer Wahl, die sie selbst angezettelt hat.

Größte Verliererin bleibt aber Elke Twesten. In der Pressekonferenz sprach sie davon, dass sie es sich vorstellen könne, für den Bundestag oder bei der Europawahl zu kandidieren. Doch selbst wenn ihr, der grünen Hinterbänklerin, ein Posten versprochen wurde, kann die CDU ihr diesen jetzt nicht mehr geben. Die Partei würde das Gesicht verlieren.

Was auch immer sich Twesten von diesem Schritt versprochen hat, das Gegenteil ist eingetreten. Zwar kennt jetzt jeder ihren Namen, der aber ist verbrannt. Sie bleibt die Abgeordnete, die aus egoistischen Motiven und persönlicher Kränkung eine Regierung gesprengt hat. Und daran ist sie selber schuld.

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