Kommentar US-Intervention in Uganda: Brutal, aber erfolgversprechend
US-Truppen in den Dschungel zu entsenden stellt eine neue Qualität des Engagements in Afrika dar. Es könnte den Anfang vom Ende der brutalen LRA-Rebellen bedeuten.
U S-Truppen in den Dschungel zu entsenden stellt eine neue Qualität des amerikanischen Engagements in Afrika dar. Es könnte den Anfang vom Ende der LRA bedeuten - einer der brutalsten Rebellengruppen des Kontinents. Diese Miliz lässt sich nur ausschalten, wenn ihr Anführer Joseph Kony gefasst wird. Er ist nicht nur der Oberkommandierende, sondern auch der spirituelle Führer seiner Kindersoldaten. Er ist so etwas wie der Osama bin Laden Afrikas.
Obamas Initiative gegen die LRA ist keine Kopfgeburt des Pentagons, auch wenn man vermuten könnte, die USA hätten es auf Ugandas Ölvorkommen abgesehen. Es ist die Folge erfolgreicher Lobbyarbeit amerikanischer Menschenrechtsgruppen und Hollywoodstars wie Ben Affleck und Mia Farrow.
Das ließ auch Politiker hellhörig werden. Zudem passt Kony ins Feindbild, denn er ist einer der unbestreitbaren "Bösewichte" Afrikas. Und Ugandas Dschungel ist, anders als etwa Somalia, nicht allzu gefährliches Terrain. Die Kampfkraft der LRA ist schwach, und das Risiko, dass US-Soldaten umkommen, daher insgesamt eher gering.
SIMONE SCHLINDWEIN ist Afrika-Korrespondentin der taz und berichtet aus Uganda.
Dass sich die US-Truppen nicht aktiv am Kampf beteiligen werden, ist Augenwischerei. Sie kommen in voller Kampfmontur, und es ist schwer vorstellbar, dass sich US-Elitesoldaten im Gebüsch verstecken und ugandische Soldaten vorschicken, wenn sich die Gelegenheit bietet, Kony gefangen zu nehmen oder zu töten.
Sowohl dem angeschlagenen Obama als auch dem noch viel stärker angeschlagenen ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni würde die Ausschaltung Konys politischen Auftrieb verschaffen. Und wer den finalen Schlag letztlich ausführt, das erfährt ja sowieso niemand. Siehe die Tötung von Osama bin Laden.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert