Kommentar Teehausstreit: Luftschloss auf Stelzen

Der Streit zeigt exemplarisch, auf welch dünnes Eis sich gerade kleine Orte bei öffentlich-privaten Partnerschaften begeben. Da braucht es Sachverstand, der nicht in jedem Rathaus zu finden ist.

Leeres Gerede. Die Hoffnung, mit einem ostasiatischen Disneyland Urlauber an die Ostsee zu holen, trog. Aus dem Leuchtturmprojekt wird bestenfalls ein Luftschloss auf Stelzen.

Nein, eine Posse ist es nicht. Die Timmendorfer Teebrücke hat für den Badeort an der Lübecker Bucht eine Dimension wie die Elbphilharmonie für Hamburg. Was als Attraktion für den Tourismus gedacht war, droht zum finanziellen Debakel zu werden. Eine Investitionsruine für mehr als eine halbe Million Euro ist für eine Gemeinde von 8.000 Einwohnern kein Pappenstiel.

Der Teehausstreit an der Ostsee zeigt exemplarisch, auf welch dünnes Eis sich gerade kleine Orte begeben, wenn sie öffentlich-private Partnerschaften eingehen. Da braucht es Sachverstand, der nicht in jedem Rathaus im Übermaß zu finden ist. Und ein Imagegewinn für das Ostseebad, das sich selbst gern „Nizza des Nordens“ nennt, ist das auch nicht.

Welche Seite jetzt womit Recht hat, mag das Gericht entscheiden. Für Politik und Verwaltung auch andernorts sollte das Timmendorfer Beispiel indes Anlass genug sein, hochtrabenden Blütenträumen nicht mehr so eifrig hinterherzuhecheln.

Von einem touristischen Alleinstellungsmerkmal wurde am Timmendorfer Strand geschwärmt, ein architektonisch belebender Kontrapunkt beschworen, von Harmonie und Ästhetik gefaselt, von gut investiertem Geld gesprochen.

Leeres Gerede. Die Hoffnung, mit einem ostasiatischen Disneyland Urlauber an die Ostsee zu holen, trog. Aus dem Leuchtturmprojekt wird bestenfalls ein Luftschloss auf Stelzen.

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