Kommentar Südafrika: Showdown ohne Bürgerkriegsgefahr

Der Korruptionsvorwurf gegen ANC-Chef Zuma darf aufrecht erhalten werden, so ein Gericht. Daran zeigt sich die Belastbarkeit der Institutionen im Post-Apartheid-Südafrika.

Es spricht für die Belastbarkeit der Institutionen im jungen demokratischen Südafrika, dass ein unabhängiges Gericht jetzt schwere Korruptionsvorwürfe gegen den mutmaßlichen nächsten Staatschef, Jacob Zuma, aufrechterhalten kann, ohne dass die Stabilität des Landes Schaden nimmt.

Immerhin fiel der gestrige Richterspruch, wonach der Präsident und Spitzenkandidat des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) weiterhin wegen Korruption juristisch verfolgt werden darf, zehn Wochen vor den kommenden Wahlen, die wohl die spannendsten in Südafrikas Geschichte werden dürften. Denn seit der Populist Zuma Ende 2007 die Macht im ANC an sich riss und im September 2008 seinen Rivalen Thabo Mbeki zum Rücktritt vom Posten des Staatspräsidenten zwang, blüht in Südafrika eine historisch beispiellose politische Streitfreudigkeit. Ihre langfristigen Folgen - mehr Pluralismus oder doch mehr Gewalt? - sind derzeit noch nicht abzusehen.

Dass Zuma weiterhin im Schatten der Korruption steht, ist dabei weniger wichtig als der Umstand, dass die Richter gestern die Vorwürfe für ungültig erklärt haben, die vor vier Monaten zum Rücktritt Präsident Mbekis führten: Mbeki habe sich nicht, wie damals behauptet, in die Justiz eingemischt, um Zuma eins auszuwischen. Der geschasste Mbeki kann sich jetzt als Saubermann bestätigt fühlen. Nicht von ungefähr begrüßt die von Mbekis Freunden gegründete ANC-Aspaltung Cope (Volkskongress) das neue Urteil und hält es nunmehr für erwiesen, dass Zumas ANC durch die Absetzung Mbekis einen "sehr gefährlichen Präzedenzfall" geschaffen habe.

Die Bühne ist damit frei für einen politischen Showdown, wie ihn Südafrika noch nicht erlebt hat: zwischen zwei einst verbrüderten und daher jetzt besonders unversöhnlichen Lagern. So manche Länder würden daran zerbrechen. Wenn Südafrika das unbeschadet übersteht und das Ergebnis der für Ende März angesetzten Wahlen unumstritten und klar ist, wird das Land am Kap sich endgültig zu einer gefestigten, streitbaren Demokratie gemausert haben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de