Kommentar Steintorviertel-Randale: Appelle nützen nichts

In Bremen ist schnell erkannt worden, dass es Menschen in der ganzen Stadt gibt, für die Randale mit der Polizei "Eventcharakter" hat. Wenn die Zukunftsperspektive düster ist, wird es weiterhin Leute geben, die Krawall als Ventil benutzen.

"Das ganze Jahr zahl ich meine Steuern, dafür möchte ich am 1. Mai Polizisten mit Flaschen bewerfen dürfen", so der IT-Mensch. Oder: "Manche gehen auf dem Dom Achterbahn fahren - ich geh nach dem Schanzenfest auf die Piazza", sagt die brave Angestellte - Sprüche, die in Hamburg bei den ritualisierten Krawallen am 1. Mai oder im Anschluss an das Schanzenfest seit Jahren zu hören sind, wenn so genannte "ganz normale Leute" erlebnisorientiert auf Piste gehen.

Erst langsam hat sich in Hamburg die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich nicht um Links-Autonome handelt - auch wenn die Krawalle im Szeneviertel toben. Selbst Polizisten sind schon dabei ertappt worden, dass sie in ihrer Freizeit an den Flaschenwurf-Arien auf Polizeiketten und Wasserwerfer teilgenommen haben.

In Bremen ist offenkundig schneller erkannt worden, dass es ein Potenzial an Menschen in der ganzen Stadt gibt, für die Randale mit der Polizei im Steintorviertel "Eventcharakter" haben und als "Volksport" angesehen werden.

Doch allein Appelle der Polizei, den gesellschaftlichen Konsens nicht zu verlassen, werden das Problem nicht lösen. Wenn die Zukunftsperspektive düster ist, vielleicht schon konkrete Existenz- und Jobängste existieren und der gesellschaftliche Konsens in der Arbeitswelt verlassen wird, wird es weiterhin Leute geben, die Krawall als Ventil benutzen.

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Jahrgang 1956, Seit 1983 bei der taz – zuerst bei der taz.hamburg und jetzt bei der taz.nord in Hamburg. Ressorts: Polizei, Justiz, Betrieb und Gewerkschaft. Schwerpunkte: Repression, progressive Bewegungen und Widerstand gegen Gentrifizierung

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