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Kommentar Somalia Unterirdische Berichterstattung

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

Im Falle Somalias verdrehen die Medien ziemlich vehement die Tatsachen, um das jüngst ins Wanken geratene westliche Katastrophenbild Afrikas zu retten.

P ünktlich zum Sommerloch ist Hungersaison in Somalia, und der globale Medienzirkus freut sich. Endlich können seriöse Zeitungen auch mal ihre Titelblätter mit den großen Augen verhungernder schwarzer Kinder schmücken und damit das jüngst ziemlich ins Wanken geratene westliche Katastrophenbild Afrikas retten.

Das UN-Welternährungsprogramm bezeichnet ein Flugzeug nach Mogadischu als Luftbrücke und von Nachrichtenagenturen gefütterte Redaktionen reagieren mit Hintergrundberichten zur Berlin-Blockade 1948 und sprechen brav vom "ersten Hilfsflugzeug" und von der "Hilfe für Afrika", die jetzt "anrollt".

Manche UN-Helfer werden aus dem Gebiet der islamistischen Shabaab-Milizen ausgesperrt, und seriöse Medien schreiben, die Shabaab würden Hilfe nicht zulassen, obwohl andere Hilfswerke in deren Gebiet arbeiten. In Mogadischu brechen schwere Kämpfe aus, und seriöse Journalisten in Schutzwesten beten die Sprüche der Militärsprecher nach: Es gehe darum, Flüchtlinge zu schützen und Angriffe der Islamisten zu stoppen. Wen kümmert es, dass die Angriffe von der afrikanischen Eingreiftruppe ausgehen und dass Helfer ihre Arbeit durch sie bedroht sehen?

ist Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und Afrika-Redakteur.

In Mogadischu steht eine afrikanische Eingreiftruppe, von der EU ausgebildet und von den USA logistisch unterstützt. Sie dient einer international anerkannten Regierung. Das aber bedeutet nicht, dass alles richtig ist, was diese Regierung und diese Eingreiftruppe tun. Eine Großoffensive mitten in der Hauptstadt während einer heiklen Hilfsaktion und zu einem Zeitpunkt erheblicher politischer Spannungen ist fahrlässig. Wer Somalia helfen will, sollte die Kriegstreiber in Mogadischu stoppen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Dominic Johnson

Dominic Johnson Ressortleiter Ausland

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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3 Kommentare

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  • IP
    Ines Pohl

    Schöner Kommentar, aber Sie dringen mit dieser Ansicht ja noch nicht mal bei Ihren Kollegen von der taz durch, Herr Johnson.

  • HA
    Holger, Accra

    Vielen Dank für den Kommentar; völlig richtig!

  • K
    karibuni

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    Absolut richtig, DJ. Nur fehlt die Aufforderung, dass über die existierenden Kanäle (z.B. Grüner Halbmond) auch mit der Shabaab zu reden ist. Die militärischen Auseinandersetzungen in Mogadishu zum jetzigen Zeitpunkt sind eine falsche, unnütze und überflüssige Demonstration von vermeintlicher Stärke der AU-Truppen.

    Wenn die USA mit den Taliban reden, die viele amerikanische Soldaten getötet haben, sollte man in dieser Ausnahmesituation auch mit der Shabaab-Miliz ins Gespräch kommen. Dies wird sicher nicht einfach, aber man muss es weiterhin versuchen.