Kommentar Simbabwe : Der Diktator hat abgewirtschaftet
Auch wenn Mugabe stichwählen lässt und mal wieder Gewalt schürt - dieses Mal wird er abdanken müssen. Denn sein Land ist bankrott und eine Missernte zeichnet sich ab.
Egal wann die Wahlkommission die umstrittene Stichwahl ansetzt, in einem Monat oder in einem Jahr: Für Diktator Robert Mugabe ist die Zeit zum Abschiednehmen gekommen. Nicht etwa, weil eine Mehrheit für die Opposition gestimmt hat: Das hat sie schon früher getan. Doch die offiziellen Wahlergebnisse feierten trotzdem stets Mugabe als Sieger. Die Tatsache, dass es ihm und seinen Handlangern diesmal nicht gelungen ist, das Ergebnis so sehr zu fälschen, zeigt, dass Mugabe die Kontrolle über seinen mühsam aufgebauten Unterdrückungsapparat verloren hat. Selbst eine Verlängerung um fünf Wochen hat nicht dazu gereicht, Mugabe einen Sieg herbeizurechnen. Das ist das größte Hoffnungszeichen seit der Wahl vom 29. März.
Dass Mugabe nun wie gewohnt Gewalt schürt, um die Wähler einzuschüchtern, wird ihm nicht helfen. Bewohner von Harare erzählen sich, das Mugabes Parteifunktionäre nach der Wahl verrieten, wo Siegespartys von Oppositionsanhängern stattfanden. Schwer bewaffnete Polizisten kamen, gratulierten den verdutzten Feiernden - und gingen wieder. Selbst der Geheimdienst ist wohl in seiner Loyalität zu Mugabe gespalten. Das hat nichts mit dem Verlangen nach Demokratie zu tun, mit der sich auch Oppositionschef Morgan Tsvangirai schwertut, sondern mit Marktwirtschaft. Mugabes schwindende Devisenvorräte reichen nicht mehr aus, genug Unterstützer zu kaufen.
Während sich das Gros der Simbabwer kein Brot mehr leisten kann, soll sich einer von Mugabes Ministern vor einer Woche für 75.000 Euro eine deutsche Luxuslimousine gekauft haben. Weil Minister als Einzige den wertlosen Simbabwe-Dollar zum offiziellen statt zum Schwarzmarktkurs tauschen dürfen, kostete ihn das Auto nur einen Euro, die Differenz beglich die Staatskasse. Solche Extravaganzen finanziert selbst das ansonsten Diktatoren verwöhnende China nicht. In den kommenden Wochen wird die erwartete Missernte offenbar werden, während Geld für Maisimporte fehlt. Wenn sich dann selbst die Reichen und Mächtigen nichts mehr kaufen können, wird Mugabe abtreten müssen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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