Kommentar RWE-Tarif: Atomstrom unter falschem Etikett

RWE bietet einen angeblich CO2-freien "ProKlima Strom"-Tarif an. Der Strom kommt zu fast 70 Prozent aus Atomkraftwerken - und wird dort eben nicht kohlendioxidfrei produziert.

Der Strom-Konzern RWE hat eine findige Marketing-Abteilung. Denn die Strategen bieten ab sofort einen angeblich CO2-freien "ProKlima Strom" an, der dazu noch in den kommenden drei Jahren garantiert nicht teurer wird. Allerdings hält die Offerte weder ökologisch noch ökonomisch, was sie verspricht.

"ProKlima" kommt zu fast 70 Prozent aus Atomkraftwerken - und dort wird der Strom eben nicht kohlendioxidfrei produziert. Rechnet man etwa die Förderung und den Transport des Brennstoffes Uran und die beim Bau der Reaktoren verbrauchte Energie mit ein, wie es das Öko-Institut mit gutem Grund getan hat, kommt man auf einen CO2-Ausstoß von 32 bis 126 Gramm pro Kilowattstunde - je nachdem, woher das Uran stammt. Eine Windkraftanlage stößt im Vergleich etwa 24 Gramm aus, ein Wasserkraftwerk 40 Gramm. Keine Form der Energieerzeugung ist also "klimaneutral". Bessere Möglichkeiten als Atomstrom gibt es aber allemal.

So billig, wie immer wieder behauptet, ist er außerdem keineswegs, schon gar nicht für die "ProKlima-Kunden". Zwar schafft die Preisgarantie für drei Jahre Planungssicherheit im Budget, das RWE selbst mit ständigen Preiserhöhungen in der Vergangenheit stark belastet hat. Mit 23,17 Cent pro Kilowattstunde ist der reine Verbrauchspreis aber bereits jetzt um bis zu vier Cent teurer als bei echtem Ökostrom.

Verbraucher und Klima haben also keinen Nutzen von diesem Etikettenschwindel, RWE dagegen durchaus: Denn ein solches Angebot am Tag nach den Castor-Protesten zu veröffentlichen, dürfte Absicht sein. Kann der Konzern demnächst eine lange Liste von Kunden präsentieren, die sich aus Klimaschutzgründen für Atomenergie entschieden haben, dann hätte er ein weiteres Argument für längere Laufzeiten - und die brächten ihm Milliardeneinnahmen. Doch weil Klimaschützer in der Regel auch sensibel für andere Umweltfragen sind, wie zum Beispiel die der ungelösten Lagerungsprobleme von radioaktivem Müll, sollte diese durchsichtige Strategie von RWE nicht aufgehen.

STEPHAN KOSCH

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