Kommentar Polizeiwillkür in Braunschweig : Wiederholte Demütigung
Die Polizei durchsuchte die Wohnung einer Braunschweigerin, weil einer ihrer Gäste beschuldigt wird, Widerstand geleistet zu haben. Selbst wenn: Das rechtfertigt nicht das Eindringen in ihre Privatsphäre.
D as Dementi von Braunschweigs Polizeipressesprecher Joachim Grande klingt zwar energisch, wenn er kurzum von "Blödsinn" redet, aber nicht überzeugend. Denn: Dass es diesen Vorfall gegeben hat, wird offiziell nicht bestritten. Es hätte eben nur nichts mit Linken oder Punks zu tun.
Doch das muss bezweifelt werden, wenn man sich die Vorfälle aus der jüngsten Vergangenheit ansieht. Schon im April war die Polizei massiv gegen die Punkszene vorgegangen, die sich in der Parkanlage Viewegs Garten in der Nähe des Braunschweiger Bahnhofs versammelt hatte. Schon damals gab es Berichte darüber, dass minderjährige Jugendliche in ihren Rechten beschnitten worden sind, sich als "stinkendes asoziales Vieh" beschimpfen lassen und sich nach ihrer Ingewahrsamnahme nackt ausziehen mussten. Das war sogar Gegenstand der Ratsversammlung. Denn so etwas ist menschenunwürdig und demütigend .
Doch dieses Mal setzte die Polizei offenbar noch einmal eins drauf. Da wird einfach die Wohnung einer Braunschweigerin durchsucht, weil einer ihrer Gäste von der Polizei beschuldigt wird, Widerstand geleistet zu haben. Selbst wenn das der Fall gewesen wäre, rechtfertigt dies nicht das Eindringen in die Privatsphäre Wohnung. Das müsste auch die Polizei in Braunschweig wissen. Doch dazu schweigt Sprecher Grande - weil sich die Betroffenen an die Medien gewandt haben.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert