Kommentar Nordzypern: Gute Wahl für Türkeigegner

Der Wahlsieg des Nationalisten Dervis Eroglu ist ein Rückschlag für den Vereinigungsprozess auf der geteilten Insel. Freuen können sich die Hardliner auf griechischer Seite - und die Türkei-Gegner in der EU.

Das Wahlergebnis in Nordzypern gibt den Türkeigegnern in der EU Anlass zur Freude. Weil eine Lösung des Zypernkonflikts als Voraussetzung für eine EU-Mitgliedschaft Ankaras gilt, der neue Präsident Dervis Eroglu aber für das Gegenteil eines kompromissbereiten Kurses mit den zyperngriechischen Nachbarn steht, ist Stillstand in den Verhandlungen garantiert. Damit kommen die europäischen Konservativen von Nicolas Sarkozy bis Angela Merkel gar nicht erst in die Verlegenheit, ernsthaft eine EU-Mitgliedschaft der Türkei diskutieren zu müssen. Schließlich liegt die Bringschuld zur Lösung des Zypernkonflikts in Ankara.

Beruhigt zurücklehnen können sich auch die zyperngriechischen Nationalisten auf der anderen Seite der "grünen Linie", die Zypern teilt. Bestand beim bisherigen zyperntürkischen Präsidenten Mehmet Ali Talat doch die Gefahr, dass dieser einer Lösung zustimmen könnte, die zwar nicht den Maximalforderungen der griechischen Superhellenen entsprach, wohl aber Zustimmung in der zypriotischen Bevölkerung fand. Dieses Problem ist nun gebannt. Die alten Feindbilder vom "bösen Türken" stimmen wieder.

Verloren haben die türkischen Zyprioten und die Türkei. Erstere können sich darauf einstellen, weiter isoliert in einem wirtschaftlich schwachen Pariastaat leben zu müssen - fernab vom EU-Wohlstand. Ein Grund für ihre Wahlentscheidung dürften gerade die enttäuschten Hoffnungen gewesen sein. Europa hatte viel versprochen - und nur wenig gehalten. Die Türkei wiederum hat bei ihren Ambitionen auf eine EU-Annäherung einen gewaltigen Dämpfer erfahren. Der türkische Premier Tayyip Erdogan mag noch so sehr aufs Gas drücken. Künftig hat er mit Dervis Eroglu einen altersstarren Mitreisenden, der zugleich das Bremspedal bedienen wird.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Das Amulett und das Mädchen", Hentrich & Hentrich 2019

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