Kommentar Mohammed bei "South Park": Der Prophet als Bär

Die US-Serie "South Park" zeigt Mohammed im Bärenkostüm. Islamistem sind empört. Wird jetzt eine Fatwa gegen Comicstrips verhängt?

Matt Stone und Trey Parker, die Macher der US-Trickfilmserie "South Park", werden von radikalen Islamisten indirekt mit dem Tod bedroht. Der banale Grund: In der kürzlich ausgestrahlten 200. Folge steckt der Prophet Mohammed in einem Bärenkostüm und wird in einen Lieferwagen verfrachtet.

"Was Sie gemacht haben, ist dumm. Deshalb warnen wir Sie, dass Sie enden könnten wie Theo Van Gogh", hieß es auf der inzwischen offline gegangenen Website revolutionmuslim.com. Der holländische Filmemacher Theo Van Gogh war 2004 in Amsterdam von einem Muslim wegen eines islamkritischen Films erstochen worden.

Wird jetzt eine Fatwa gegen Comicstrips verhängt? Es kostete einige Mühen, das Viktorianische Zeitalter zu überwinden, als sogar Klavierbeine erotisch aufgeladen erschienen und bedeckt werden mussten. Unser Mittelalter 2.0, wo Gotteskrieger die Medienklaviatur bespielen, indem sie moderne Kommunikationstechnik mit archaischer Humorlosigkeit paaren, ist noch weit unangenehmer.

ist Musik-Redakteur bei der taz.

Wissen denn diese Islamisten nicht, dass "South Park" - die respektlose Comicserie, die vom TV-Kanal Comedy Central produziert wird - zur Freude kleiner und großer Agnostiker bereits alle Weltreligionen und großen Sekten verarscht hat? Ob Christen oder Juden, Scientologen oder Mormonen: "South Park" führt mit Vorliebe die absurden Facetten ihres Daseins vor.

Auch Phänomene wie Homophobie im Rap hat die Serie um Cartman & Co bereits thematisiert. Nach Ausstrahlung der diesbezüglichen Folge sagte Matt Stone: Er sei sich sicher, dass er jetzt um sein Leben fürchten muss. Doch die Rapper blieben tolerant. Ähnliches sollte man von den religiösen Fanatikern eher nicht erwarten.

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Julian Weber, geboren 1967 in Schweinfurt/Bayern, hat Amerikanische Kulturgeschichte, Amerikanische Literaturwissenschaft und Soziologie in München studiert und arbeitet nach Stationen in Zürich und Hamburg seit 2009 als Musikredakteur im Kulturressort der taz

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