Kommentar Kampf gegen Scientology: Vorsicht, Fernseh-Propaganda!
Wer Fakten weglässt, verspielt die Glaubwürdigkeit der Scientology-Aufklärung.
U rsula Caberta hat sich mit ihrer Arbeitsgruppe Scientology längst einen überregionalen Ruf erworben. Sie kämpft auf allen Ebenen leidenschaftlich gegen den Psycho-Konzern, manchmal zu leidenschaftlich.
Da kann es schon mal passieren, dass die Hamburger Sektenbeauftragte in einem simplen Sorgerechtsstreit Partei ergreift, und der Wille eines Heranwachsenden plötzlich weniger wichtig scheint als das große Ziel: den geschäftstüchtigen Seelen-Fängern das Handwerk zu legen.
Ärgerlich ist es, wenn Cabertas Sicht der Dinge ungefiltert in einem Doku-Drama des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Niederschlag findet: Gerade wer die Manipulationstechniken von Scientology verurteilt, darf nicht zulassen, dass Urteile von Familiengerichten in so einer Geschichte unterschlagen werden. Wer das tut, verspielt die Glaubwürdigkeit der Scientology-Aufklärung.
Der Vorwurf der alerten PR-Leute von Scientology, es handele sich beim Film "Bis nichts mehr bleibt" um Kampagnen-Journalismus, geht ins Leere: Es handelt sich nicht um ein journalistisches Format. Aber ein bisschen Gegenrecherche kann man auch von Drehbuchautoren erwarten.
Der Zuschauer nimmt Doku-Dramen als Spiegel der Wirklichkeit wahr. Wenn sie nur eine Version der Geschichte zeigen, laufen sie Gefahr, zur Propaganda zu verkommen.
Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Leak zu Zwei-Klassen-Struktur beim BSW
Sahras Knechte
Wahlkampf in Deutschland
Rotzlöffeldichte auf Rekordniveau
+++ Die USA unter Trump +++
Trump entlässt den Generalstabschef der US-Streitkräfte
Regierungsbildung nach Österreich-Wahl
ÖVP, SPÖ und Neos wollen es jetzt miteinander versuchen
Klimaneutral bis 2045?
Grünes Wachstum ist wie Abnehmenwollen durch mehr Essen
Bildungsforscher über Zukunft der Kinder
„Bitte nicht länger ignorieren“