Kommentar Fusion der Atomkonzerne : Von der Vergangenheit überrollt
Nachdem die französische EDF die British Energy übernommen hat, sieht es für die erneuerbaren Energien schlecht aus. Jetzt muss die EU eingreifen.
I n der Stromwirtschaft bestimmt die Struktur das Denken. Große Konzerne setzen auf große Kraftwerke - eine dezentrale Stromerzeugung ist ihr Ding in der Regel nicht. Und wenn nun mit der Übernahme der British Energy die französische EDF ins Vereinigte Königreich einzieht, dann werden die neuen Atomkraftwerke unmittelbar hinterherkommen. Denn die zentralistisch denkende EDF kann nichts anderes.
Das ist eine fatale Entwicklung. Denn Großbritannien könnte vor allem mit Windkraft und Meeresenergie zum Vorreiter einer modernen Energiepolitik werden. Nun jedoch wird das Königreich von der Vergangenheit überrollt. Die EDF wird dort eine politische Macht zugunsten der Atomenergie entfalten, wie sie die deutlich kleinere British Energy nie hatte.
Was lernen wir daraus? Für Deutschland dieses: Wir können froh sein, dass unsere Stromwirtschaft mit rund 900 Unternehmen deutlich vielfältiger strukturiert und damit deutlich weniger EDF-anfällig ist. Es hat auch viel mit den hiesigen Strukturen zu tun, dass Deutschland bei den erneuerbaren Energien weltweit vorne mit dabei ist. Denn Stadtwerke und Regionalversorger sind örtlich stark verankert und können daher mit örtlichen Unternehmen und in Abstimmung mit den Menschen vor Ort die Energiepolitik der Zukunft gestalten. Das heißt dezentral, effizient und auf Basis erneuerbarer Energien.
Einige Stadtwerke haben in diesem Punkt in der Vergangenheit wichtige Beiträge zum ökologischen Umbau der hiesigen Stromversorgung geleistet. Wer eine zukunftsweisende Energiepolitik ohne Atomstrom verficht, sollte sich daher stets vor Augen halten, wie sehr dieser Weg die dezentralen Unternehmensstrukturen braucht. Die EU muss sich unterdessen fragen lassen, wie lange sie die hemmungslosen Konzentrationsprozesse im Energiesektor noch mittragen will. Gründe einzuschreiten gibt es genug - vor allem, weil eine unbefangene Diskussion über die künftige Energielandschaft in Großbritannien seit dem Einstieg der EDF nicht mehr möglich ist.
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