Kommentar Exzellenzinitiative: Falsche Akzente
Eine Studie macht die Probleme der Exzellenzinitiative sichtbar. Immerhin: Das Umdenken hat eingesetzt, wenn auch spät.
H arvard an der Spree, Stanford an der Isar - die Exzellenzinitiative der letzten Bundesregierung versprach viel und hielt wenig. Die Probleme, die jetzt publik werden, sind schon früher von Kritikern moniert worden: der Wettbewerb Uni gegen Uni, Institut gegen Institut nützt nur wenigen. Neu ist, dass die Vorwürfe von Wissenschaftlern erhoben werden, die selbst von der Eliteförderung profitieren. Immerhin: Das Umdenken hat eingesetzt, wenn auch spät.
Als die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat 2006 die ersten Elitehochschulen kürten, war die Euphorie groß. Weniger über die 1,9 Milliarden Euro, die sich über fünf Jahre insgesamt 85 Einrichtungen teilen würden. Sondern darüber, dass der Staat nach jahrelangem Spardiktat überhaupt noch Geld in nennenswerter Höhe für die Hochschulen ausgab. Wer damals zu fragen wagte, wie es nach fünf Jahren mit den Eliteprojekten weitergehen sollte, galt als Miesmacher.
Folgerichtig wurde die nächste Runde im Elitewettstreit im letzten Jahr durchgewinkt - die Hochschulen dürfen am Freitag ins Rennen starten. Dabei zählen weniger wissenschaftliche Ergebnisse, die Fachbereiche und Hochschulen vorweisen können, sondern vielmehr reine Ankündigungen. Prämiert werden Visionen, eine gänzlich unwissenschaftliche Kategorie. Um die Leuchturmprojekte zu betreiben, wenn der staatliche Geldquell nach fünf Jahren versiegt, müssen andere Bereiche einer Hochschule bluten.
Die Güte der Lehre spielt auch bei der Folgerunde keine Rolle. Das heißt, die meisten Studierenden und Professoren gehen wieder leer aus. Doch eine angelsächsische Topuni zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es in einigen Bereichen ganz gut läuft. Sondern dass Forschung und Lehre insgesamt Spitze sind. Davon sind deutsche Elitehochschulen meilenweit entfernt.
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