Kommentar Diktatorenbesuche: Der Iran und seine Freunde

Die Aufregung über Hübscher ist peinlich – und stärkt das Mullahs-Regime. Denn im Grunde war der Versuch Ahmadinedschads, Hübschers Besuch für Publicity-Zwecke auszuschlachten, ein Armutszeugnis.

Wo liegt eigentlich der Skandal? Dass Claus Hübscher versucht hat, sich auf eigene Faust einen Einblick ins Reich der Mullahs zu verschaffen: Das scheint ein statthaftes Anliegen. Dass er dafür auf die Connections des örtlichen Delmenhorster Anhängers dieses wie auch immer diktatorischen Regimes zurückgreift – nichts liegt näher als das: Der Austausch auch mit radikal-Andersdenkenden ist eine liberale Tugend. So lange Dialog möglich ist, ist die Hoffnung auf Demokratie nicht tot.

Trotzdem hat die Partei, die sich liberal nennt, erst einmal geprüft, ob sie Hübscher nicht ausschließen sollte. Sie hat gemerkt, dass er mit einem rechtsstaatlichen Verfahren nicht zu maßregeln ist – weil er nach strikt rechtsstaatlichen Grundsätzen gehandelt hat. Also signalisiert man ihm schon mal, dass er sich auf einen aussichtslosen Listenplatz einzustellen hat – und an der Volkshochschule, der er seit den 1970ern verbunden ist, hält man ihn gar für einen Schandfleck, der prompt zu entfernen ist. Warum? Weil er den Präsidenten Mahmut Ahmadinedschad getroffen hat.

Die Aufregung über Hübscher ist peinlich – und stärkt das Regime. Denn im Grunde war der Versuch Ahmadinedschads, Hübschers Besuch für Publicity-Zwecke auszuschlachten, ein Armutszeugnis: Der Mann ist Politik-Anwärter aus Delmenhorst. Ein Regime, das eine solche Visite an die große Glocke hängen muss ist ganz schön am Ende.

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Jahrgang 1972. Seit 2002 bei taz.nord in Bremen als Fachkraft für Agrar, Oper und Abseitiges tätig. Alexander-Rhomberg-Preis 2002.

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