Kommentar Delmenhorster Zeitungsexperiment: Nicht auf halber Strecke stehen bleiben

Das "Delmenhorster Kreisblatt" will den "Mantel" selbst schneidern. Wenn aber lediglich Agenturmaterial auf Länge gebracht wird, ist der Verlag auf halber Strecke liegen geblieben.

Wenn die deutsche Presseagentur (dpa) aus Delmenhorst berichtet, hat das meist zu tun mit Sarah Connor. Oder, seltener, mit ihrer kleinen Schwester. Ansonsten ist an der Delme nicht übermäßig viel los. Nun aber tritt die dpa dort selbst als Protagonistin an.

Hintergrund ist das Problem, dass einige große Verlage ganz auf die Dienste der Agentur verzichten. Im Gegenzug bietet dpa eine spezielle Zusammenarbeit mit den Kleinen an: Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre überregionale Berichterstattung "selbst" zu stemmen. Mit dieser Geschäftsidee trifft dpa auf ein experimentierfreudiges Traditionshaus, das als eines der ersten auf den zugekauften Mantelteil verzichten will. Das ist Mut an der richtigen Stelle.

Doch auch in Delmenhorst wird man genau hinschauen müssen: Führt die Befreiung des Kreisblatts aus der Umarmung oder Ummantelung durch den großen Bruder, der Bremer Tageszeitungs AG, tatsächlich zu einem eigenständigen Profil? Wenn lediglich Tickermaterial auf Länge gebracht wird, ist der Verlag auf halber Strecke liegen geblieben.

So wie bei der eigenen Reorganisation: Die Herauslösung der Lokalredaktion aus einer "Service GmbH" war Voraussetzung, um der journalistische Arbeit Glaubwürdigkeit zu geben - doch eine Rückkehr in den Tarif war damit nicht verbunden.

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2001 bis 2016 Kulturredakteur der taz mit Sitz in Bremen

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