piwik no script img

Kommentar Aussteigerhilfe für RechtsextremistenUnterlassene Hilfeleistung

Andreas Speit

Kommentar von

Andreas Speit

Wenn ein Gewalttäter mit rechtsextremem Hintergrund eine Aussteiger-Hotline anruft, muss die ihm auch weiterhelfen wollen. Sonst ist sie überflüssig.

Z wischen Halbsätzen erwähnte Christopher R. vor dem Kieler Landgericht, er habe "mal bei einer Aussteigerhilfe angerufen". Welches Ausstiegsprogramm für Rechtsextreme er da kontaktiert haben will, das wusste der Schläger vom 18. April 2008 nicht mehr - wie so vieles andere auch. An einen Umstand jenes Telefonats aber erinnerte er sich noch genau: "Der Beamte" habe ihn abgewiesen, erzählte R., da er in keine Organisation eingebunden sei. Wenn sich das so zugetragen hat, ist es ein Skandal.

Dass er vom "Beamten" spricht, legt zumindest die Vermutung nahe: Christopher R. wird von einer staatlichen Anlaufstelle für ausstiegsbereite Rechtsextremisten abgewiesen worden sein, nicht von einer zivilgesellschaftlichen. Die entsprechenden Programme - sei es beim Verfassungsschutz oder bei der Polizei - sind immer wieder kritisiert worden. Nicht zuletzt, befürchten Experten, melden sich ausstiegswillige Rechte dort kaum, weil sie denken, ihre Kameraden verraten zu müssen.

Dass genau das von ihnen erwartet wurde, bestätigen Aussteiger. Nachweislich wurde mindestens ein Betroffener angehalten, in der Szene zu bleiben - und für die Behörden zu spionieren.

Christoph R. ist ein Täter mit rechtsextremem Hintergrund, hat sich fast die Hälfte seines Lebens in der Szene aufgehoben gefühlt. Wenn so einer eine Aussteiger-Hotline anruft, muss die ihm auch weiterhelfen wollen. Sonst ist sie überflüssig.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Andreas Speit

Andreas Speit Autor

Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • A
    Alex

    Der Typ kann viel erzählen wenn der Tag lang ist, hätte er ein ernstes Interesse an einem Ausstieg würde er nicht nach dem ersten Tele. aufgeben.

     

    Seine Geschichte über die nette Familie die er in der Szene gefunden hat ist doch acuh schon 100mal erzählt worden. Wenn meine Familie mir sagt "hau xy auf die fresse" mach ichs trotzdem nicht. Der Junge ist über 20 Jahre alt... ein wenig grips und eigenverantwortung sollte man da schon habe, er wischt sich ja sicherlich auch selber den hintern ab, bier kaufen kann er auch, da kann man auch von ihm erwarten das er nachdenkt bevor er jemanden niederschlägt.