Kommentar Arbeitslosenzahlen : Wenigstens die Panik ist fair verteilt
Die Erwerbslosenstatistik bedient nicht die Krisenpanik - zum Glück. Die Zahl der Arbeitslosen ist zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder unter drei Millionen gesunken.
F inanzpakete hin oder her - was uns brennend interessiert, ist die Entwicklung auf dem Jobmarkt. Am Donnerstag gab es dazu eine erfreuliche Nachricht. Die Zahl der Arbeitslosen ist zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder unter drei Millionen gesunken. Das klingt gut, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass ein Teil der Entwicklung auf den Bevölkerungsrückgang zurückzuführen ist. Zudem wurden den Arbeitsämtern im Oktober weniger offene Stellen gemeldet als im Vorjahresmonat. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Freude bald getrübt werden könnte.
Viele der neuen Arbeitsplätze sind zudem Jobs in der Leiharbeit. Die aber werden, so hört man aus der Wirtschaft, als erste wieder abgebaut. Die Ankündigung von Arbeitsminister Scholz (SPD), das Kurzarbeitergeld zu erweitern, zeigt daher vor allem den geringen Handlungsspielraum der Politik. Bislang nehmen nur 50.000 Beschäftigte das Kurzarbeitergeld in Anspruch.
Arbeitslosenzahlen beruhen auf der Vergangenheit und beschreiben den Istzustand. Im Moment ist es aber die Zukunft, vor der alle Angst haben. Die Prognosen des IAB-Instituts der Bundesarbeitsagentur sagen in ihrer pessimistischen Variante ein Minuswachstum von 0,5 Prozent im kommenden Jahr voraus. Dann würde die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt "nur" um 130.000 Menschen steigen. Das IAB schränkt aber sofort ein: "Drastische Strukturbrüche" im Verhalten der Wirtschaft könnten nicht eingeschätzt werden. Es gebe zu wenig "Hinweise" auf solche historisch seltenen Situationen. Im Klartext: Es gibt zu wenig Vorwissen für die heutige Lage.
Doch Unwissen kann manchmal auch gut sein, könnte man zynisch sagen. Psychologen behaupten, die Panikgefühle bei Anlegern seien nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sich heute auch jeder Kleinanleger per Internetbanking in der Büropause mal eben über den fallenden Stand seines Bankdepots informieren kann. Zu viel negative Information, das stresst. Beruhigend ist da nur, dass wenigstens die Panik einigermaßen fair verteilt ist.
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