Kommentar Anti-Islam Gipfel: Notbremse à la Köln

Wenn es darauf ankommt, hält die Zivilgesellschaft in Köln zusammen - und zwar in einem Maße, das wohl einzigartig in der Bundesrepublik sein dürfte.

Zehntausende von Kölnerinnen und Kölnern haben sich am vergangenen Wochenende einem Häuflein von Rechtsextremisten eindrucksvoll entgegenstellt und die Verhältnisse wieder zurechtgerückt. Wenn es darauf ankommt, hält die Zivilgesellschaft in Köln zusammen - und zwar in einem Maße, das wohl einzigartig in der Bundesrepublik sein dürfte.

Auch wenn die Kölner weiterhin durchaus unterschiedlicher Auffassung über den geplanten Bau einer repräsentativen Moschee sein mögen, in einer Frage sind sie sich einig: Offen rechtsextreme Menschen mag man nicht in der Stadt haben. Christdemokraten standen daher mit Gewerkschaftern, Linksparteilern und Schülern, die christlichen Kirchen mit muslimischen Verbänden, Islamkritiker mit Moscheebaubefürwortern, Karnevalisten mit Linksautonomen. Taxifahrer verweigerten den braunen Gesellen den Transport, Hoteliers kündigten ihnen die Zimmer, Wirte machten ernst mit ihrer Ankündigung: "Kein Kölsch für Nazis". Und die Polizei hat in bemerkenswerter Weise alle ihre rechtsstaatlichen Spielräume ausgenutzt, um sich nicht von "pro Köln" und Co funktionalisieren zu lassen. Dass es auch einige Demonstranten gab, denen gewaltfreie Protestformen nicht ausreichten, kann den Erfolg der Allianz nicht schmälern.

Wie geht es nun weiter? Es besteht die Gefahr, dass das Aufbegehren gegen rechts wieder mal in selbstgefälligen, für die Kölner Mentalität eben auch typischen Lokalpatriotismus umschlägt. Der demonstrierte Wochenend-Antirassismus sagt noch nichts aus über den nach wie vor auch in dieser Stadt bestehenden Alltagsrassismus. Bei aller ostentativen Weltoffenheit bleibt die biedere Provinzialität, die den Aufstieg von "pro Köln" zuallererst ermöglicht hat.

Auch wenn die selbst ernannte "Bürgerbewegung" davon zukünftig nicht mehr sonderlich profitieren wird: Die Ressentiments gegen Andersdenkende, Andersgläubige und Anderslebende in Teilen der Bevölkerung, die der Wählervereinigung bei der vergangenen Kommunalwahl knappe fünf Prozent der Stimmen beschert haben, verschwinden ja nicht einfach. Der Kampf für ein solidarisches Zusammenleben geht jetzt in die nächste Runde.

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Jahrgang 1966. Arbeitet seit 2014 als Redakteur im Inlandsressort der taz. Zuvor fünfzehn Jahre taz-Korrespondent für Nordrhein-Westfalen. Mehrere Buchveröffentlichungen (u.a. „Endstation Rücktritt!? Warum deutsche Politiker einpacken“, Bouvier Verlag, 2011).

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