Kommentar Anklage Niels Stolberg: Der charmante Bankrotteur

Der Fall der vermeintlichen "Green Shipping GmbH" erinnert daran, dass das System Niels Stolberg undenkbar gewesen wäre ohne die freudige Bereitschaft von JournalistInnen, sich von ihm einseifen zu lassen.

Manchmal ist Journalismus ein total simples Geschäft. Etwa, wenn es darum geht, festzustellen, ob eine GmbH existiert: Firmennamen im Registerportal eintippen – und schon erscheint die Registernummer. Außer, es gibt sie nicht, wie die vermeintliche „Green Shipping GmbH mit Sitz in Hamburg“.

Dass gerade bei der so viele Journalisten meinten, für ihre Beiträge – im Premiummagazin für Logistik und Transport, in regionalen Zeitungen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk – sich diese Minirecherche sparen zu dürfen und sich auf die Aussagen des vorgeblichen „Aufsichtsratsvorsitzenden“ Niels Stolberg verlassen zu können, ist bizarr: Immerhin hat Bremens Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklageschriften von mehr als 20.000 Seiten erstellt. Sie wirft ihm vor, mit Betrügereien Schaden im zweistelligen Millionenbereich angerichtet zu haben. Auch die Unschuldsvermutung sollte nicht so weit gehen, einem Angeklagten einfach alles ungeprüft zu glauben.

Bizarr also – aber auch symptomatisch für den Fall des Selfmade-Bankrotteurs, der jahrelang als Unternehmer, Wohltäter, Inselretter Bremens Liebling war: Das wäre undenkbar gewesen ohne die Mitwirkung der Medien und die freudige Bereitschaft von JournalistInnen, sich vom charmanten Niels Stolberg einseifen zu lassen.

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Jahrgang 1972. Seit 2002 bei taz.nord in Bremen als Fachkraft für Agrar, Oper und Abseitiges tätig. Alexander-Rhomberg-Preis 2002.

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