Kommentar Afghanistankonflikt: Der Krieg ist gescheitert

Endlich verhandelt Afghanistans Regierung mit den Taliban. Es geht schlicht darum, die Realitäten anzuerkennen.

Es ist längst eine Binse, dass der Krieg in Afghanistan allein mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen ist. Hohe Generäle haben sich in den letzten Wochen immer pessimistischer über die Chancen eines Siegs des Westens über die Taliban geäußert, denn jeden Monat sterben dort inzwischen mehr US-Soldaten als im Irak. Vor allem aber wächst das Risiko, dass sich die Bevölkerung gegen die ausländischen Truppen wendet, mit jedem Einsatz, der wieder zivile Opfer fordert.

Dass sich die afghanische Regierung nun um Gespräche mit den Taliban bemüht, wie Präsident Karsai eingeräumt hat, ist deshalb zu begrüßen. Es geht dabei schlicht darum, die Realitäten anzuerkennen. Keine Frage, solche Gespräche bergen für Karsai und den Westen insgesamt ein Risiko. Nicht nur, weil sie scheitern können. Sondern auch, weil die fundamentalistischen Gotteskrieger damit aufgewertet werden. Letztlich gesteht die internationale Gemeinschaft damit auch ein, dass sie mit ihrer bisherigen Strategie gescheitert ist. So haben die Gespräche mit den Taliban für manche den Charakter eines Paktes mit dem Teufel.

Doch um das Leid der afghanischen Zivilbevölkerung zu mindern, sollte nichts unversucht gelassen werden. Ohne die Taliban wird es am Hindukusch keinen Frieden von Dauer geben. Und so bitter das klingt: Ein Wiederaufleben religiöser Intoleranz muss damit nicht verbunden sein. Die kehrt auch schon so allenthalben wieder nach Afghanistan zurück. Schließlich stehen viele der aktuellen Machthaber, im afghanischen Parlament wie in der Regierung, in ihren fundamentalistischen Ansichten den Taliban in nichts nach.

Ob in Afghanistan oder Somalia, im Libanon oder im Gazastreifen: Der "Krieg gegen den Terror" hat gezeigt, dass sich radikale Islamisten nicht einfach wegbomben lassen. Nur die wenigsten von ihnen führen den gleichen "heiligen Krieg" wie Bin Laden. Viele betrachten sich vielmehr als Garanten der legitimen Sicherheitsinteressen ihrer Bevölkerung - so, wie sich die Taliban zur Zeit der brutalen Warlordherrschaft als Alternative andienten. Ihr Zweckbündnis mit al-Qaida, das für Afghanistan so fatal war, kann jedenfalls nur durch Verhandlungen aufgebrochen werden.

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Asienredakteur der taz seit 1997, vorher freier Journalist. Studierte Politologie sowie Communication for Development in Berlin und Malmö. Versucht asiatisch-europäische Begegnungen zu ermöglichen durch taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit asiatischen JournalistInnen und Diskussionsverantaltungen in der taz-Kantine (Han Sens ASIENTALK). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @HanSensAsientalk

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