Kolumne Rote Erde: Höllenfahrt im ÖPNV

Der öffentliche Bus ist außer Betrieb, also steige ich mit 16 anderen Menschen in einen Minivan und werde behandelt wie ein ganz gewöhnlicher Fahrgast.

Und dann habe ich doch einmal alles falsch gemacht. Ich war allein unterwegs in einer Gegend, in der ich mich nicht auskenne, und dunkel war es auch schon eine Weile. So soll man sich nicht durch die Städte bewegen. Das steht auch in den Fan Guides, die jedem WM-Touristen in die Hand gedrückt werden. Und ich mache das!

Noch dazu durchschritt ich einen nicht gerade gut beleuchteten Tunnel. Ein Mann mit Security-Weste hatte mich da reingeschickt. Ich wollte einfach so in meine Unterkunft fahren, wie ich am Vormittag nach Soccer City gekommen war - mit dem Schnellbus, dem "Bus Rapid Transport" (BRT), das die Stadt Johannesburg als Weltklassenahverkehrsmittel bezeichnet.

Die Hinfahrt zum Stadion war wirklich komfortabel. Für den Bus sind eigene Spuren reserviert, so dass er sich nicht in die Johannesburger Staus einreihen muss. Genauso komfortabel wollte ich zurückfahren. Der Mann mit der Security-Weste schüttelte den Kopf, als ich ihn nach dem Weg zur nächsten BRT-Haltestelle fragte. Dann zeigte ich meine Rückfahrkarte. Das schien ihn zu rühren. Er schickte mich in den Tunnel.

Es war der richtige Weg. Nach 100 dunklen Metern allein unter der Erde bin ich an der Haltestelle angekommen. Die war verriegelt. Keiner war da, dem ich meine Rückfahrkarte hätte zeigen können. Doch ich war nicht der Einzige, der sich darüber ärgerte, dass der BRT außer Betrieb war. Ein Häuflein stinksaurer Johannesburger mit Rückfahrkarte schimpfte über das Schnellbussystem, die Stadtverwaltung und die Regierung. Es war 8 Uhr abends.

Dann setzte sich die kleine Menge in Bewegung, lief auf die dunkle Straße. Ein Kleinbus hielt an und kurz darauf saß ich mit 16 anderen Menschen in einem Minivan, der in Deutschland vielleicht für neun Personen zugelassen werden würde, und wusste erst mal nicht, wohin ich gefahren wurde.

Obwohl ich mein Fifa-Lätzchen mit der Akkreditierung um den Hals hängen hatte, wollte sich niemand im Bus für mich interessieren. Fast ärgerte mich das. Da war keiner, der mich gefragt hätte, woher ich komme, was ich bei der WM mache und wie ich Südafrika finde. Stattdessen wurde ich behandelt wie ein ganz gewöhnlicher Fahrgast - und als solcher irgendwo in der Innenstadt wieder aus dem Bus entlassen.

Weil ich nicht noch einmal allein durch die Dunkelheit gehen wollte, habe ich einen Mann angesprochen, ihm gesagt, woher ich komme, was ich bei der WM mache und dass ich Südafrika ganz toll finde. Er hat mir geduldig zugehört und mich so lange begleitet, bis ich in einem Taxi saß, das mich zu meiner Unterkunft fuhr.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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