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das ding, das kommtKlischee aus Frottee

Wer wirklich noch Sorgen hat, die sich langsam öffnenden Strandbäder könnten bald ­­zum Covid-19-Umschlagplatz werden, der kennt die deutschen Handtücher schlecht. Es mag ein Klischee sein, aber eben auch nicht völlig falsch, dass bei der Verteilung von Liegen und Strandkörben hierzulande weit mehr Disziplin herrscht als etwa an Supermarktkassen, vor Bustüren oder auf Fußwegen.

Scharbeutz an der Lübecker Bucht – bald auch bekannt als das windige Herz der digitalen Zukunft – hat mit seiner „Handtuch-App“ jedenfalls einen vielversprechenden Kompromiss zwischen Badespaß und Hygieneverordnung entwickelt: online anmelden, per Klick reservieren und sich die auch vor Corona schon nervtötenden Geplänkel mit anderen Entspannungssüchtigen und Bademeister:innen ersparen. So jedenfalls die Idee.

Wie’s in der Praxis dann funktioniert, nun ja, wer weiß das schon? Erste Erfahrungswerte, wenngleich keine sonderlich erbaulichen, hätten jedoch Bahnfahrer:innen dank der Sitzplatzreservierung und des elektronischen Buchungssytems anzubieten. Die Frage, wie dünn die Decke der digitalisierten Zivilisation ist, beantwortet sich nämlich spätestens dann, wenn die Technik mal wieder ausfällt und/oder die gemeine Komfort-Kundschaft auftritt.

Gut möglich, dass es am Ostseestrand besser läuft: Anders als im Zug hatte hier schließlich noch niemand Zeit, das System zur profit­orientierten Unbenutzbarkeit zu optimieren. Außerdem wäre da ja noch das jahrzehntelange Offline-Training im Handtuchschmeißen. Und das hat schließlich schon hinreichend funktioniert, als es höchstens um Fußpilz und kurze Wege zum Kiosk ging.

Jan-Paul Koopmann

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