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Klingelingeling

■ Erlebnisse am taz-Telefon: Abzulehnende Anrufe

Hochrechnungen zufolge gehen in der taz-Lokalredaktion täglich rund 250 Anrufe ein. Zuviele, um alle genügend zu würdigen. Viele Gespräche sind wichtig, manchmal ist es jedoch eine Zumutung, was da von den gestreßten RedakteurInnen „Eh, kannste mal eben...“ verlangt wird. Hier eine Auswahl - Klingelingeling:

Am Apparat ist Herr Ritter, der „letzte Ritter aus Spandau“, wie er sagt. Nach einem Wortschwall, der mehrere Minuten dauert, kommt er auf den Punkt: Alle bedrohen ihn, weil er eine Erfindung gemacht habe, die die „gesamte Marktwirtschaft über den Haufen wirft.“ Es handele sich hierbei, dieses Info gibt er nach weiteren drei Minuten, um einen Schuhanzieher, den Herr Ritter vorbeibringen wolle. Dürfte er gerne. Tat er aber nicht.

Nicht aus der Ruhe zu bringen war Monika, als ihr beim dritten Anruf bedeutet wurde, daß nichts für sie getan werden könne. Ihr Anliegen: Sie sei neu in der Stadt und suche eine Schlafmöglichkeit, ein Bett für eine Nacht. Etwas mürrisch gab ihr der Chef vom Dienst („Eigentlich sind wir hier kein Auskunftsbüro“) die Nummer einer Mitwohnzentrale, die Sache schien erledigt. Zweiter Anruf. Monika: „Die haben nichts.“ Der Chef zückt eine zweite Nummer... Dritter Anruf: „Die haben auch nichts.“ Chef: „Tja, dann kann ich dir auch nicht weiterhelfen.“ Darauf Monika: „Wieso das denn? Ich denke, ihr seid alternativ!“ Weiß der Himmel, was sie damit gemeint haben könnte.

„Weißt du“, nuschelt ein leicht angesäuselter Fußball-Fan in die Muschel, „ich habe da einen Wette mit 'nem Kumpel abgeschlossen, es geht um 'ne Kiste Sekt.“ Kurzum: „Uns interessiert das Fußballspiel zwischen Blau-Weiß 90 und Mainz 05. Das Ergebnis, verstehste. Mein Kumpel behauptet hier unglaubliche Sachen. Der sagt, daß Blau-Weiß verloren hat. Stimmt das?“ Der Sportredakteur schaut in seine Unterlagen, kramt, sucht, denkt nach und bestätigt schließlich: „Ja, die haben verloren. 2:3. Im Olympiastadion. Irgendwann im Herbst. Und sag deinem Kumpel, er soll doch bitte eine Flasche Sekt vorbeischicken!“ Der geschlagene Wett-König hatte bereits aufgelegt...

hosch

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