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Klang und Bedeutung

■ Vinko Globokar, Komponist und Posaunist mit bosnischen Eltern

Daß Konzerte im Allgemeinen mit dem Anfang beginnen, ist nichts Neues. Sie hören ja auch, zumeist, mit dem Ende auf. Auch, daß der Musiker als erstes spricht und nichts weiter sagt, als daß er jetzt anfängt, wäre eigentlich nicht der Rede wert. Wenn er dann tatsächlich beginnt, ist es redundant oder bestenfalls banal.

Bei „Prestop II“ (1991), einer Komposition für Posaune und Elektronik des Posaunisten Vinko Globokar, ist das etwas anderes, hier gehören die Worte direkt zur Komposition, gehört die Verdoppelung zum Spiel von Klang und Bedeutung, gehört zum Übergang (slowakisch: prestop) von der „realen Welt in die der Fikstion“ (V.G.). Am Freitag begann Globokar in der Galerie Rabus selbst sein gemeinsames Konzert mit dem Hamburger Ensemble l'art pour l'art mit diesem Stück.

Globokar, 1934 als Sohn slowenischer Eltern in Frankreich geboren, gilt schon lange als einer der herausragenden Posaunisten und Komponisten der Neuen Musik. War er zunächst überwiegend als Instrumentalist und Interpret der Kompositionen anderer bekannt geworden, hat er sich immer mehr in Richtung Komposition bewegt. Wobei seine Kompositionsweise geprägt ist von den Erfahrungen, die er mit improvisierter Musik gemacht hat.

In vielen Punkten schreibt er den Interpreten nur vor, wie sie klingen sollen, nicht, was sie im einzelnen zu spielen haben. Aber auch das „Wie“ hat es in sich. Ob Globokar nun selbst auf der Posaune oder zum Abschluß auf dem sperrigen Alphorn (Cri des Alpes, 1986) oder Astrid Schmeling in einem Flöten-Solo-Stück (Monolith, 1976) — Globokars Material sind die klanglichen Möglichkeiten konventioneller Instrumente. Dabei schickt er seine InterpretInnen direkt an die Ränder des gewohnten Klangs. Obertonschichtungen und Mehrstimmigkeiten auf Posaune oder Flöte, „falsche“ Anblastechniken, schrille Schreie mit dem Alphorn — noch die mächtigsten Klangarchitekturen Globokars leben von ihrer eingebauten Brüchigkeit, ziehen aus dem Widerspruch zwischen konventioneller Klang-Erwartung und unkonventionellem Klang ihre faszinierende Spannung.

Das Verhältnis von Sprache zu Musik hat Globokar schon immer ganz besonders interessiert: Einmal geht es um die Musikalität der Sprache, ihre zugrundeliegende Rhythmik und Melodie, aber dann eben auch um die Erzeugung von Sinn, darum, wie sich mit musikalischen Mitteln Aussagen formulieren lassen, die emotional weiter reichen als die Verknüpfung von Worten. „Elegie Balkanique“ (1992), eine rüde Klangexploration für Flöte, Gitarren und Schlagzeug, mit der Globokar seiner Verzweiflung über den Krieg in der Heimat seiner Muttersprache und dem völligen Mangel an Einflußmöglichkeiten Luft macht, ist in diesem Sinne das Herzstück dieses Konzertes.

Aber Abscheu und Verzweiflung sind nicht alles. Bei Globokar, dem Komponisten und Programm-Organisator, sind sie eingerahmt in eine gehörige Dosis Spaß an der Musik und an ihren Klängen. Mit einem quicklebendigen Alphorn-Solo, in dem er die Verhaltensgrenzen der Musik in Richtung Performance dehnt, beschließt er sein Konzert und hinterläßt ein Publikum, das sich beschwingt nachdenklich aufmacht an den Kneipentisch, wo man das Gehörte bereden kann.

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