Kita: Netzwerken für die ganz Kleinen

Im Wedding haben sich zehn Kindertagesstätten zu einem Verbund zusammen geschlossen. Das Ziel: gemeinsam den Nachwuchs besser zu förden

Mit der Übergabe eines Blumenstraußes wird es offiziell: Zehn Kindertagesstätten im Weddinger Brunnenkiez bilden nun den "Kitaverbund im Brunnenviertel". Der Blumenstrauß geht dabei an Schirmherrin Barbara John (CDU), ehemals Ausländerbrauftragte des Berliner Senats.

Der Kitaverbund soll für die Erzieher vor allem ein "Blick über den Tellerrand sein". So drückt es Ute Gracia, Leiterin einer der beteiligten Kitas in der Ramlerstraße aus. Gracia weiß, wovon sie spricht. In ihrer Kindertagesstätte sind 99 Prozent der Kinder nicht-deutscher Herkunft. Im gesamten Kiez geht Stadtteilmanagerin Safak Yildiz von einem Anteil der nicht-deutschsprachigen Anwohner von 60 Prozent aus. Das bringt nicht nur sprachliche Aufgaben mit sich: "Ich muss mir heute - anders als vor 15 Jahren - die Frage stellen, was ein Kind alles lernen muss, das aus einer anderen Kultur kommt." Ihre Kolleginnen nicken. Auch wenn sich die Einrichtungen in ihren Trägern und den pädagogischen Konzepten unterscheiden - die Probleme sind im Kiez die gleichen.

Zum Beispiel die Kommunikation mit den Eltern. Für sie seien die Kitas meist einer der ersten Anlaufpunkte. Und ohne Deutsch-Kentnisse sowohl für die Eltern als auch die Erzieher eine besondere Herausforderung. Einzelne Einrichtungen koopererieren daher mit türkischen Vereinen oder Dolmetschern, um den Einstieg zu erleichtern.

Da das Netzwerk schon seit zwei Jahren im Aufbau ist, gibt es bereits erste Erfolge vorzuweisen. Im Mittelpunkt steht dabei die Sprachförderung. "Wenn unsere Kinder eingeschult werden, brauchten noch vor drei Jahren 70 Prozent eine Sprachförderung der Schule. Heute sind es nur noch 30 Prozent", sagt Eva Schüler, Leiterin der Kita in der Ackerstraße. Eine externe Mitarbeiterin für Sprachförderung, finanziert durch das Stadtteilmanagement im Brunnenkiez, machte es möglich. Dabei ist das die einzige finanzielle Unterstützung, die das Netzwerk erhält. "Das alles wird hier mit Bordmitteln gemacht", erklärt Schirmherrin John. Und lobt die Initative von unten als "einmalig".

Doch mit dem Netzwerk sind nicht alle Probleme gelöst. Neben der finanziellen kritisieren die Kita-Leiterinnen vor allem die personelle Ausstattung. Zwar würden die Anforderungen an die Kitas mit Sprachtagebüchern, Integration und individueller Förderung immer höher - aber der Personalschlüssel sei nicht gestiegen. "Wir wollen, dass die Kita endlich als Bildungseinrichtung anerkannt wird", so Gracia. Schließlich beweise die Sprachförderung den Erfolg und komme auch bei den Eltern an.

Mit dem Kitaverbund, der, wenn es nach seinen Initiatoren geht, stetig wachsen soll, wollen sich die Kita-Leiterinnen jedoch keineswegs zufrieden geben. Eines Tages - so die Planung - sollen sämtliche Bildungseinrichtungen des Brunnenviertels zu dem Netzwerk gehören - und der Kitaverbund zu einem ganzen Bildungsverbund angewachsen sein.

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