Kinoempfehlung für Berlin: Mit Mann und Gefolge

Die Dokumentation „The Royal Train“ folgt den Bemühungen des rumänischen Königshauses, den Status der Monarchie wieder zu verbessern.

Royales Ansinnen und Hemdsärmeligkeit: „The Royal Train“ Foto: Navigator Film

Zwischen einem Kachelofen und einer etwas kümmerlichen Zimmerpalme steht der Schreibtisch des Bahnhofsvorstehers in der rumänischen Provinz. Vor sich ein Schaltbrett, das mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat und doch noch immer tut, was es soll. Draußen zwischen den Gleisen wackeln ein paar Gänse vor sich hin. Bald kommt hoher Besuch. Schichtwechsel im Bahnhof, die Kollegin übernimmt.

Der österreichische Dokumentarfilmer Johannes Holzhausen folgt in „The Royal Train“ den Bemühungen der Mitglieder des rumänischen Königshauses, nach dem Ende des Kommunismus den Status der Monarchie wieder zu verbessern. In Wahrung der kurzen, aber bunten Tradition des Königshauses unternimmt die Thronerbin mit ihrem Mann und Gefolge im Hofzug eine Rundfahrt durch das Land.

Eine Diesellok zieht den königlichen Zug aus dem Depot, die Waggons werden geschmückt, die Festtafel im Salonwagen wird gedeckt, die Bediensteten werden in historische Uniformen gesteckt. An den Bahnhöfen hüllen sich Menschen unterdessen in Trachten, Blechrüstungen und all das, was ihnen sonst bei „Geschichte“ noch in den Sinn kommt.

Royales Ansinnen und Hemdsärmeligkeit stehen nebeneinander und blinzeln sich ratlos an. Fieberhaft wird versucht, den Bahnhöfen im Vorfeld ein passables Äußeres zu geben. Am ersten Halt bemerkt die Bahnhofsvorsteherin skeptisch: „Es kommt mir alles etwas übertrieben vor. Ein Bahnhof ist kein Palast.“

Österreich/Rumänien 2019, Regie: Johannes Holzhausen, 92 Minuten, ab 13. 2. im Kino

Während ein Mitarbeiter des Palastes von dieser Rundfahrt als einer „Institution, die als Brücke über die Zeiten hinweg funktioniert“, schwärmt, gönnt sich die Bahnhofsvorsteherin während des royalen Gedönses eine Zigarette mit einem Kollegen. Doch die meisten Menschen, die sich an den Bahnhöfen einfinden, jubeln freundlich, schwenken ihre Fähnchen, halten die Kinder hoch. Bis die Lok den ratternden Zug schließlich weiter durch die winterliche Landschaft zieht.

Die Rundfahrt im Hofzug ist das zentrale Element in den Bemühungen der königlichen Familie, sich wieder in Rumänien zu engagieren. Michael I., König von Rumänien, wurde im Kommunismus ab 1947 zur Abdankung und ins Exil gezwungen. Im Dezember 2017 ist er im Exil gestorben. Michael I. war zweimal König von Rumänien: als Kind von 1927 bis 1930 und als junger Erwachsener während des Faschismus Ion Antonescus und im Zweiten Weltkrieg.

1944 war er treibende Kraft des Königlichen Staatsstreichs, der retten sollte, was nach verlorenem Krieg noch zu retten war. Antonescu wurde entmachtet, das Land wechselte die Seiten, kooperierte mit der UdSSR und erklärte Deutschland den Krieg. Michael I. war der Letzte von insgesamt nur vier Königen von Rumänien.

In der Gegenwart versucht Margarita, die Tochter Michael I., gemeinsam mit ihrem Mann dem Königshaus wieder zur Sichtbarkeit zu verhelfen. Der Film verfolgt diese Bemühungen, zeigt die Versuche, Kunstobjekte mit Bezug zum Königshaus zusammenzutragen; dokumentiert die zähe Zeremonie, in der Hoflieferanten ernannt werden. Margaritas Gemahl, Prinz Radu, schnuppert am Wein, der nach ihm benannt ist und auf dessen Verpackung in blumigen Windungen von Könighaus und Tradition die Rede ist.

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Bisweilen verzettelt sich der Film in der Vielzahl letztlich eher belangloser Aktivitäten, die die königliche Familie durch die Landen treibt: Hier werden Leninbüsten eingeschmolzen und zu einer klobigen Büste von Michaels Vorgänger Ferdinand I., dort gibt es eine Zeremonie in einer Schule. Zweiter Höhepunkt der Bemühungen neben der Zugrundfahrt ist eine kurze Ansprache Margaritas im rumänischen Parlament.

Ganz zuletzt fängt der Film sich jedoch wieder, zeigt die Überführung des Sargs von Michael I. im Zug zurück nach Rumänien, an den Bahnhöfen stehen Menschen und lassen den König hochleben. „The Royal Train“ kommentiert das Gezeigte nicht, zeigt die Ernsthaftigkeit der Bemühungen, den kleinen Apparat von Personen, mit dem die königliche Familie um Aufmerksamkeit kämpft. Ob diese Aufmerksamkeit politisch wünschenswert ist, weiß man am Ende des Films nicht. Zu sehen ist dafür das Handwerk der Erfindung einer Tradition. Diesem Prozess im Detail zuzusehen, entbehrt nicht der Faszination.

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