: Kässbohrer darf sich retten lassen
■ EU-Wettbewerbsausschuß mehrheitlich für Fusion
Brüssel/Ulm (AP/taz) – Mercedes wird voraussichtlich doch die Kässbohrer Fahrzeugwerke in Ulm übernehmen dürfen. Gestern hat sich der EU-Ausschuß für Fusionskontrolle mehrheitlich für den Zusammenschluß beider Unternehmen ausgesprochen, den das Bundeskartellamt abgelehnt hatte. Das Votum des Ausschusses gilt als vorentscheidend. Der endgültige Beschluß wird von den 20 EU-Kommissaren voraussichtlich am 14. Februar gefaßt.
Kässbohrer-Sprecher Henner Hillebrand begrüßte die Entscheidung. Sollte die Kommission nächste Woche genauso entscheiden, würde unmittelbar danach die neue Gesellschaft „Evobus“ gegründet, in der Kässbohrer und sämtliche Busaktivitäten von Mercedes vereinigt würden. Mercedes und Kässbohrer hatten sich bereits Ende Juli 1994 auf die Fusion geeinigt und wollten die Ehe eigentlich schon Anfang Januar vollziehen. In der EU waren jedoch Bedenken gegen die Übernahme laut geworden, weil Mercedes in Deutschland eine marktbeherrschende Stellung einnehmen würde.
Die Übernahme von Kässbohrer durch Mercedes gilt als die letzte Möglichkeit zur Rettung der rund 3.200 Arbeitsplätze bei dem Unternehmen, dessen Verluste sich Ende 1993 bei einem Umsatz von 1,7 Milliarden Mark auf rund 600 Millionen beliefen. Gegenwärtig werden die Bankschulden mit 700 Millionen Mark angegeben. Am 28. Februar läuft die mit 26 Banken vereinbarte Kreditlinie aus, dann droht dem Traditionsunternehmen mit seiner Busmarke „Setra“ das Ende.
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