KZ-Aufseher festgenommen: Beihilfe zum Mord
Unbehelligt lebte der jetzt 93-jährige in Aalen. Doch jetzt holte ihn seine Vergangenheit ein. Er gilt trotz des hohen Alters als haftfähig.
STUTTGART/BERLIN afp | Die Polizei in Baden-Württemberg hat einen ehemaligen Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz festgenommen. Wegen des dringenden Tatverdachts, die Morde in dem Vernichtungslager unterstützt zu haben, wurde der 93-Jährige am Montag in Untersuchungshaft genommen, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit.
Der Mann, der zuletzt in Aalen lebte, hatte demnach von Herbst 1941 an bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1945 in Auschwitz gearbeitet und dort neben anderen Aufgaben auch Aufseherdienste verrichtet.
Der Mann soll den Angaben zufolge wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden. „Wir werden versuchen konkret inhaltlich und zeitlich festzustellen, was er in Auschwitz gemacht hat“, sagte die Sprecherin. Zwar gingen die Ermittler davon aus, dass der Verdächtige in seiner Funktion als Aufseher nicht selbst Menschen im Lager getötet habe, wohl aber „mit seinen Handlungen dort die Täter unterstützte“, sagte die Sprecherin weiter. Eine entsprechende Anklageschrift werde derzeit vorbereitet.
Ein Arzt habe den Mann trotz seines hohen Alters am Montag als haftfähig beurteilt. Seit November 2012 hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt.
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat die Festnahme begrüßt. Dies sei ein „erster Schritt“, dem hoffentlich weitere folgen würden, sagte der Leiter des Zentrums, Efraim Zuroff, der Online-Ausgabe der Welt. Demnach hatte das Zentrum den Mann erst Anfang April auf eine Liste mit den Namen der zehn wichtigsten Nazi-Kriegsverbrecher gesetzt.
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