KOMMENTAR: Taktischer Affront
■ Zur Diskussion um das Beirätegesetz
Was kommunale Demokratie angeht, ist das Bundesland Bremen Schlußlicht in der gesamten Bundesrepublik. Während allerorten kleine kommunale Parlamente wenigstens darüber entscheiden dürfen, wo in ihren Orten gebaut, Umwelt geschützt oder Landwirtschaft betrieben werden soll, wird in der Hansestadt zentral entschieden. Zwar gibt es mit der Stadtbürgerschaft ein formal kommunales Gremium, die handelnden Personen sind jedoch die gleichen, die auch die übergeordneten landespolitischen Entscheidungen zu treffen haben. Bei so festgelegten Machtstrukturen können Beiräte bislang kaum mehr tun, als laut und meist folgenlos ihre Hilflosigkeit zu beklagen.
Das löbliche Wahlversprechen der SPD, diesen Zustand zu ändern, wurde von dem Gesetzentwurf von Innensenator Meyer gar zu deutlich gebrochen. Ebenso löblich erklärte SPD –Fraktionschef Dittbrenner das Papier für Makulatur und einen Entwurf von SPD-Beiräten zur neuen Geschäftsgrundlage. Jetzt steht zu fürchten, daß der Affront gegen Meyer lediglich ein taktisches Manöver war. Motto: Wir zeigen der Basis, daß wir sie ernst nehmen und stutzen ihre Vorschläge in der Diskussion so weit zusammen, daß die Machtstrukturen unverändert bleiben.
Holger Bruns-Köster
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen