KOMMENTAR: Nicht auf die billige Art
■ Methadon ohne Programm ist billig (vgl. S. 26)
Lagerdenken vereinfacht verzwickte Sachverhalte so schön. Deshalb schien lange Zeit alles klar: Die einen wollten das Drogenproblem mit Polizei oder Zwangstherapien, aber bestimmt ohne das „Suchtmittel“ Methadon kontrollieren. Die anderen waren für Methadon und fanden menschlicher und realistischer, daß Drogenfreiheit nicht Anfangs-Bedingung für Therapien oder Hilfe, sondern höchstens das Ziel sein kann.
Jetzt, im Aids-Zeitalter, finden frühere Hardliner, bundesweit und international, plötzlich Methadon prima: ausgerechnet CDU und Kripo vorneweg.
Pur ist Methadon die billigste Art der Sozialkontrolle über Aids und Kriminalität. In Bremen wird alles davon abhängen, wie ein Programm ausgesstattet sein wird. „Betreuung“ ist nicht eine nette Zutat, sondern genauso Bedingung wie die richtige tägliche Dosis. Wenn das arme Bundesland Bremen sich unter dem Druck der Verhältnisse zu einem Programm durchringt, eine wirklich gute Begleitung – und das heißt: eine Reihe fester Stellen – „nicht leisten kann“, dann werden die Skeptiker auf zynische Weise Recht bekommen: durch Methadon-Tote.
Susanne Paas
Die Engagierten stärken
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen