KOMMENTAR: Wählerberuhigung
■ Verkehrsberuhigung nur bei SPD-Mehrheit im Stadtteil
Wählerstimmen werden so gehandelt wie Einschaltquoten. Was schnelle Massenzustimmung verspricht, findet Wohlgefallen vor den Augen der Macher aus Politik und Glotze. Beispiel: Bremer Verkehrspolitik. Verkehrsberuhigt wird auffallend oft gerade die Straße, deren BewohnerInnen zu einem hohen Prozentsatz sozialdemokratisch wählen. Konrad Kunick, der Wetten anbietet, daß die Innenstadt im Jahre 2000 autofrei ist, wird in seiner eigenen Behörde nicht für voll genommen. Müdes Grinsen setze ein, so berichten Stadtteilpolitiker, wenn sie in der Behörde nach den Umsetzungsplänen für die Kunick-Ankündigungen fragen.
Nehmen wir die Humboldtstraße. Nur aufrechte Parteigänger des Molochs Auto werden den jetzigen Zustand gutheißen. Doch nichts passiert. Dabei geht es nur um Baumnasen und Kreidekringel, um Temporeduzierung und Parkraumeinschränkung. Entschieden wird aber nicht nach Vernunft und Einsehen. Entschieden wird nach sozialdemokratischen Pfründen. Für die nächste Sonntagsrede aber heißt es: „Eine Zukunft der Stadt ohne sinnvolle Lösung ihrer Verkehrsprobleme kann es nicht geben“. Amen.
Andreas Hoetzel
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen