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Jugoslawien

[...] Das zweite Mal in diesem Jahr flimmert die böse Fratze des Krieges über unsere Bildschirme. Mit Interesse verfolge ich jedoch diesmal die, im Gegensatz zum Golfkrieg am Anfang dieses Jahres, offenbar gleichgültige Haltung der Öffentlichkeit.

Während im Januar und Februar noch fast täglich große Demonstrationen und Kundgebungen, Studentenstreiks und Künstlerfestivals abgehalten wurden, sind es im November des gleichen Jahres nur noch einige hundert Personen, die sich an einem Wochenende gegen Krieg und Gewalt versammeln.

[...] Dankenswerterweise gehen Hunderttausende auf die Straßen um gegen radikale und ausländerfeindliche Gewalttäter zu demonstrieren. Deren menschlich motivierter Einsatz für die Opfer wird jedoch in Frage gestellt, wenn sich dieser Einsatz nicht auch auf deren Freunde und Verwandte bezieht, die in ihrer Heimat gequält, erschossen und von Panzern überrollt werden.

Es darf nicht der Eindruck entstehen, daß sich bestimmte politische Gruppen nur dann für andere Menschen einsetzen, wenn sich daraus auch politisches Kapital schlagen läßt, sich jedoch sehr bedeckt halten, wenn es sich um übriggebliebene sozialistische Unrechtsregime wie das in Belgrad handelt. Frank Marten, (West-)Berlin

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